Archiv für den Monat: Januar 2011

Eulen nach Athen tragen

Wenn man diesen Satz bemüht, bedeutet das, dass jemand etwas Überflüssiges und vielleicht sogar etwas  Sinnloses tut. Aber woher kommt der Ausspruch?

Das antike Athen war ein mächtiger Stadtstaat mit herausragender Kultur und Wirtschaft. Damals herrschte ein Götterglaube, den wir heute als griechische Mythologie bezeichen. Nach Vorstellung der Bürger stand die Stadt unter dem Schutz der Pallas Athene, der wehrhaften Göttin der Weisheit, der Kunst und des Handwerks. Das wichtigste Symbol der Athene war neben Helm, Schild und Schwert auch die Eule, die man vor allem wegen ihrer großen Augen für besonders klug hielt. Der Eule begegnete man in und um Athen auf Schritt und Tritt – sowohl in natura als auch in Kunstwerken. Beides stand im Zusammenhang mit der Verehrung der Schutzgöttin.

So war es nur folgerichtig, daß schon seit Ende des 6. Jahrhunderts vor Christus Eulen die Rückseite der athenischen Münzen zierten.  Das Volk nannte sie wegen der unverwechselbaren Eigenart Eulen. Je nach Wert hießen diese Stücke offiziell Drachme, Didrachme, Tetradrachme oder Dekadrachme. Die Münzen stellten u.a. wegen ihres hohen Silbergehalts im Mittelmeerraum das wichtigste Zahlungsmittel dar. Athen war phasenweise derart reich, daß die Bürger keinerlei Steuern zahlen mußten und die Staatskasse trotzdem immer gut mit Eulen gefüllt war.

Folglich brauchte man kein Geld, also keine Münzen (“Eulen”) nach Athen zu tragen, denn die Stadt hatte schon genung davon.

Wenn ich mein Geld mal Müllertaler nenne, wisst ihr Bescheid…

Die Straßen Cremon und Grimm

Beide Straßen liegen in der Altstadt, sind erstmals Mitte des 13. Jahrhunderts erwähnt und gehören zu den ältesten der Stadt.

Die Marschinsel Cremon wurde 1188 eingedeicht und den Siedlern als Weide zugewiesen. Bereits kurze Zeit später wurde die Insel besiedelt. Richtung Hafen am Nikolaifleet wurden die Häuser erbaut. Hinter den Häusern wurde ein Entwässerungsgraben, das spätere Katharinenfleet, gegraben. Die jenseits des Katharinenfleets gelegenen Grundstücke dienten zunächst weiter als Weide und wurden erst später bebaut. Im Mittelalter wurde dann außendeichs direkt am Nikolaifleet gebaut.

Die Marschinsel Grimm wurde bald nach dem Cremon besiedelt. Die Besiedlung erfolgte ähnlich wie beim Cremon, jedoch ohne rückwärtiges Entwässerungsfleet. Auf dem Grimm liegt das Kirchspiel St. Katharinen, die nach der Besiedlung von Cremon und Grimm zur geistlichen Versorgung der Bevölkerung beider Inseln gegründet worden war. Die Gemeinde bestand zu dieser Zeit aus Bierbrauern und Schiffsbauern, später, zur Zeit der Schauenburger Grafen und zur Reformationszeit aus Tuchmachern und wohlhabenden Kaufleuten.

Die Herkunft der Benennung Cremon ist vielfaltig, aber am wahrscheinlichsten geht der Name auf einen Grundbesitzer dieses Namens zurück, denn Mitte des 13. Jahrhunderts ist bereits ein Gottschalk de Cremun und Anfang des 14. Jahrhunderts ein Kaplan Bertram de  Cremon genannt.

Beim Namen Grimm ist die Herkunft ebenso umstritten. So könnte es sich um aufgeschwemmten Schlamm handeln, auf dem eine Straße gebaut wurde, oder um eine hier vorbeifließende Krümmung der Alster, oder um wildes, unwirtschaftliches, unsicheres Land (immerhin lagen die Marschinseln bis zum 13. Jahrhundert außerhalb der Stadtumwallung und daher außerhalb des Mauerrings), oder vielleicht ist es auch nur ein ehemaliger Flurname, der namensgebend war.

Das geht auf keine Kuhhaut

Diesen Ausspruch bemüht man, wenn jegliches Maß überschritten ist oder etwas als unerhört bewertet wird.

Es liegt dabei die mittelalterliche Vorstellung zugrunde, der Teufel würde die Missetaten und Verfehlungen der Menschen aufschreiben, um nach deren Tod über Beweismaterial beim Kampf um die Seele zu verfügen.

Im Mittelalter schrieb man auf Pergament. Papier war zwar billiger und in größeren Mengen herstellbar, aber vor dem 12. Jahrhundert hielt es nicht in Europa Einzug und brauchte dann noch einige Jahrhunderte, um sich zu verbreiten und dem Pergament als wichtigstem Beschreibstoff den Rang abzulaufen.

Pergament wurde seit dem Altertum aus Tierhäuten hergestellt, die dazu gewässert, mit Kalklösung behandelt, von den Haaren befreit, gereinigt, gespannt, getrocknet und zugeschnitten wurden. Im Normalfall gewann man Pergament aus den Häuten von Kälbern, Schafen oder Ziegen.

Eine Kuhhaut hat eine viel größere Fläche als zum Beispiel die Haut eines Hammels. Und wenn man so viele Sünden begangen hat, dass sie nicht einmal auf eine große Kuhhaut passen, hat der Teufel große Chancen, die Seele dieses Menschen zu bekommen.

Was lernen wir daraus? Immer schön lieb zueinander sein ;-)

Der Gänsemarkt

Der Gänsemarkt ist ein dreieckiger, öffentlicher Platz in der Hamburger Neustadt, der Anfang des 17. Jahrhunderts durch die Erweiterung der Stadtbefestigung entstand.

Beim Gänsemarkt handelt es sich nicht um einen Platz, auf dem Gänse gehandelt wurden. Allerdings wurden von hier aus Gänse durch das Dammtor auf die Alsterwiesen getrieben. Der Name geht vielmehr zurück auf einen Mann namens Ambrosius Gosen, der dort lebte und Grundbesitz hatte.

Auch ein Markt im üblichen Sinne hat am Gänsemarkt nicht stattgefunden. Marktrechte haben hier noch nie bestanden. Die Silbe Markt deutet vielmehr auf ein bestimmtes Grenzgebiet, eine “Gemark” bzw. “Gemarkung” hin.

Seinen jetzigen Namen erhielt der Platz erst im Laufe des 17. Jahrhunderts. Zuvor hieß er “Beim Isern Hinnerk” oder auch “Camp hinterm Blauen Turm”. Mit beiden Namen war der alte Festungsturm am Ende des Jungfernstiegs im Nordwesten gemeint, der 1727 abgebrochen wurde.

Anmerkungen:

“Isern Hinnerk” bedeutet eiserner Hinnerk. Hinnerk ist eine Form des althochdeutschen Vornamens Heinrich. Dieser wiederum setzt sich aus heim für Haus oder Hof und rihihi für mächtig oder Fürst zusammen und bedeutet also Hausherr, der Herr im Haus. Die weibliche Entsprechung ist Henrike oder Henriette.

Das Wort “Camp” kommt vom lateinischen campus und bedeutet soviel wie Fläche, Feld, Ebene. Seit dem Mittelalter war es ein Modewort für jedes neugewonnene Stück Land, das oft mit Hecken oder Erdwällen eingefriedet und abwechselnd als Weide oder Acker genutzt wurde.

Treulose Tomate

Aus aktuellem Anlass recherchiere ich mal diesen Begriff, denn immerhin habe ich eine Weile meinen Blog nicht gepflegt – die letzten Wochen waren doch sehr arbeitsreich und ich habe mir nicht regelmäßig Zeit dafür genommen. Aber das wird 2011 besser werden.

Als treulose Tomate wird also ein wortbrüchiger oder unzuverlässiger Menschen bezeichnet, der Verabredungen oder Zusagen nicht einhält. Vielleicht hat sich dieser Mensch auch lange nicht mehr gemeldet.

Aber warum treulose Tomate?

Wahrscheinlich geht der Ursprung der Redensart auf den ersten Weltkrieg zurück: Italien war erst mit Deutschland verbündet, hielt sich aber aus den kriegerischen Auseinandersetzungen heraus und schlug sich dann auf die gegnerische Seite. Die Italiener galten daher als wortbrüchig und unzuverlässig.

In Italien war der Tomatenanbau weit verbreitet – allerdings war die Tomate nur schwer zu kultivieren. Daher setzte man die treuebrüchigen, Tomaten essenden Italiener mit den unzuverlässigen, unkultivierten Tomaten gleich.

Aha – glücklicherweise hat sich bis heute einiges geändert. Nur Schade, dass ausgerechnet Tomaten für diese Redensart her halten mussten…