Archiv für den Monat: Februar 2011

Sich etwas durch die Lappen gehen lassen

Wenn man sich etwas durch die Lappen gehen lässt, entwischt einem etwas, etwas wird einem vor der Nase weggeschnappt oder man bekommt etwas schon sicher Geglaubtes doch nicht.

Seit dem Mittelalter war die Jagd viele Jahrhunderte lang nicht nur vornehmes Privileg des Adels, sondern auch die Belustigung der Fürsten. Für so manchen Edelmann war das Arrangieren von vornehmen Jagdgesellschaften nebst den zugehörigen luxuriösen Festen der scheinbar einzige Lebensinhalt, den er sich Unsummen kosten ließ und über den er das Regieren fast gänzlich vergaß.

Damit die Treibjagd auch mit einem Erfolgserlebnis endete und sich möglichst viele der vornehmen Herrschaften mit Trophäen schmücken konnten, ließ man sich so einiges einfallen. So wurden zum Beispiel ab dem 16. Jahrhundert die Fluchtwege der Tiere eingeengt, indem man zwischen den Bäumen Seile spannte und auf diese große bunte Stofflappen hängte. Das gehetzte Wild, das sich von diesen flatternden Fetzen instinktiv fernhielt, ließ sich so von den Treibern direkt vor die fürstlichen Büchsen leiten. Brach ein Tier trotzdem mit dem Mut der Verzweiflung aus, ging es den Jägern wortwörtlich durch die Lappen.

Die Elbinsel Wilhelmsburg

An der Bunthäuser Spitze teilt sich die Elbe in Norder- und Süderelbe und schließt die Elbinsel Wilhelmsburg ein. Sie ist die größte bewohnte Flussinsel Europas mit 57.000 Einwohnern. Die größte bewohnte Flussinsel der Welt ist Manhatten, die zu New York gehört.

Was man noch über Wilhelmsburg wissen sollte ist, dass die Elbinsel 1962 zum großen Teil überflutet wurde. Die große Sturmflut in Hamburg forderte 330 Todesopfer, weil der Stadtteil unterhalb des Meeresspiegels liegt und die Deiche noch nicht so hoch waren. Zudem war der 2. Weltkrieg gerade mal 17 Jahre her und es gab Wohnungen, die eher als Behelfsbauten zu bezeichnen waren als stabile, sichere Behausungen.

Aber woher hat dieser Stadtteil Hamburg’s seinen Namen?

Am 4. September 1672 erwarb Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg-Celle drei große Elbinseln, die darauf hin eingedeicht und durch Verbindungsdeiche vereint worden sind. Sie trugen fortan den Namen Wilhelmsburg. Die längste und eine der wichtigsten Straßen Wilhelmsburgs erinnert heute noch als Georg-Wilhelm-Straße an den Gründer.

Georg Wilhelm wurde als zweiter Sohn des Herzogs Georg von Braunschweig und Lüneburg-Calenberg geboren. Er studierte in Utrecht und unternahm ausgedehnte Reisen, bis er nach dem Tode seines älteren Bruders Christian Ludwig von 1648 bis 1665 das Fürstentum Calenberg mit der Residenz in Hannover regierte, wo mit seinem Vater Georg 1636 die Familie der Welfen die Herrschaft angetreten hatte.

Ob der Herzog Georg Wilhelm von Celle, nachdem er die Insel erworben und nach sich benannt hatte, auch einmal nach Wilhelmsburg gekommen ist, lässt sich nicht mehr feststellen. Seine Gemahlin Eleonore d’Olbreuse (eine schöne Hugenottin von niederem Adel) und ihre einzige gemeinsame Tochter Sophie Dorothea (die spätere Prinzessin von Ahlden) haben sich hier aber einmal drei Tage lang geweilt, wie aus erhaltenen Geldregistern, in denen die Ausgaben dafür aufgezeichnet sind, hervorgeht.

Da sich Sophie Dorothea später (gegen ihren Willen) mit ihrem Cousin Georg Ludwig, dem Kurprinzen von Hannover und späterem König von England Georg I. verheiratete, wurden ihre Nachkommen Prinzen und deshalb nicht Grafen von Wilhelmsburg.

Nach dem Tode Georg Wilhelms fiel die Insel an das Haus Hannover und wurde infolgedessen in ein Amt verwandelt. Das Amt bestand bis 1859. Dann wurde es mit Harburg vereinigt und gehört seit der letzten Gebietsreform im März 2008 zu Hamburg-Mitte.

Was ist eigentlich ein Quiddje?

Quiddje ist ein Begriff, der hauptsächlich im Hamburger Raum vorkommt.

Als „Quiddje“ (auch: „Quittje“ oder „Quietje“) bezeichnen die Hamburger einen zugereisten Bürger Hamburgs, also einen Fremden und nicht selten Hochdeutschsprechenden, denn meistens werden damit Leute tituliert, die für die Hamburger fremdklingende deutsche Dialekte sprechen und nicht Plattdeutsch oder Missingsch (Mischsprache aus Niederdeutsch und Standarddeutsch). Oft sind aber auch Zugezogene gemeint, selbst wenn die betreffenden Personen aus der Nähe stammen.

Auch in der Seefahrt ist der Begriff „Quiddje“ bekannt. Damit bezeichnen die Seeleute sogenannte Landratten und Laien in der Schifffahrt.

Die genaue Herkunft des Wortes “Quiddje” ist unbekannt – allerdings stammt der Begriff aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Vermutlich handelt es sich um eine Abwandlung des französischen Wortes „quitté“. Damit bezeichnete man früher die Aufenthaltsgenehmigung für Händler, wenn diese die Stadttore passieren wollten, um in der Stadt ihre Waren zu verkaufen. Sie bekamen eine Quittung, die sie auch für die Steuer vorlegen mussten. Quiddjes waren also Fremde, die in Hamburg Handel trieben und dafür eine Steuerquittung erhielten.

Neben dem zugezogenen Hamburger („Quiddje“) gibt es den echten Hamburger. Und hier unterscheiden die Hansestädter zwischen dem „gebürtigen“ und dem „waschechten Hamburger“.

Gebürtiger Hamburger ist, wer in Hamburg geboren ist. Bei einem waschechten oder auch “geborenen Hamburger” müssen mindestens die Eltern gebürtige Hamburger sein. Besser aber, wenn man jeweils drei Generationen väterlicher- und mütterlicherseits vorweisen kann, die alle in Hamburg geboren sind.

Aber Hallo – das ist ja eine richtige Wissenschaft. Ich selbst bin ein Quiddje, also ein Wahlhamburger, denn mein Wohnsitz ist Hamburg. Ich mache daher auch Unterschiede zu denen, die nicht ihren (ersten) Wohnsitz in Hamburg haben. Sind diese für die gebürtigen und die waschechten Hamburger auch Quiddjes, so handelt es sich in meinen Quiddje-Augen ganz eindeutig nur um Zugezogene, denn der Titel “Quiddje” ist meiner Ansicht nach auf jeden Fall höher als “Zugezogener” zu bewerten ;-)