Archiv für den Monat: März 2011

Quartiersleute

Immer wieder höre ich den Begriff “Quartiersleute”. Ein Quartiersmann ist eine Hamburger Bezeichnung für einen Lagerunternehmer. Aber was waren das genau für Männer? Was war ihre Aufgabe?

Auf der Webseite von Eckhard Pohlmann, der dort alte Handwerkzeuge zeigt, wurde ich fündig. Quartiersleute waren selbstständige Lagerhalter, die auf fremde Rechnung, d.h. im Auftrag des Kaufmanns, hochwertige Importgüter wie Kaffee, Kakao oder Gewürze einlagerten, begutachteten, reinigten und sortierten.

Ihr Beruf ist seit 1693 nachgewiesen. Mit ihren breiten Warenkenntnissen und ihrer Erfahrung im Umgang mit hochwertigen Gütern bilden sie ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Hafenumschlag und dem Handel bzw. der verarbeitenden Industrie.
Damals hatten die Kaufleute noch eigene Lagerhäuser, so dass die Quartiersleute von Speicher zu Speicher zogen und dort die anfallenden Arbeiten erledigten. Erst in der Speicherstadt konnten sie eigene Lagerflächen anmieten, wo sie dann in den mehrstöckigen Speichern in den alten Lagerhauskomplexen der Speicherstadt tätig waren.
Heute sind die Firmen wegen des schnellen Güterumschlags fast alle aus der Speicherstadt in ebenerdige Lagerräume umgezogen. Aus den typisch mittelständischen Kleinbetrieben sind moderne Logistikunternehmen geworden, die längst nicht mehr in der Speicherstadt residieren.

Quartiersleute hießen nicht so, weil sie den Waren ein “Quartier” (lat. quartarius = Viertel, Unterkunft) gaben, so Pohlmann, sondern weil sie sich traditionell zu Vierergruppen zusammenschlossen (lat. quattuor = vier), die nach dem Vormann benannt wurden, wobei die Teilhaber als Consorten firmierten.
Das ergab dann Bezeichnungen wie zum Beispiel Eichholtz & Consorten oder Max & Consorten. Die heutigen Lagerunternehmer haben diese Tradition beibehalten.

Den Beruf des Quartiersmanns gibt es heute nicht mehr. Seit 1976 hat man verschiedene Berufsbilder aus dem Hafen zu einem Seegüterkontrolleur zusammengefasst.