Archiv für den Monat: Juni 2011

Die Polizei – Dein Freund und Helfer?

Ich bin im Grunde ein Fan der Polizei. Gerade bei uns auf St. Pauli sind sie auch noch fast alle nett. Schwierig finde ich nur die Jungspunde, bei denen man den Eindruck hat, sie fühlen sich mit Uniform als etwas Besseres und zeigen das dann auch noch, denn sie haben die Macht! Und so ein Exemplar in weiblich ist mit kürzlich begegnet.

Ich war am 28. Mai mit einer Reisegruppe aus der Steiermark in einem österreichischen Bus unterwegs. Ich wusste, dass aufgrund einer Demo einige Straßenzüge gesperrt werden würden – die entsprechende Polizeimeldung lag mir vor und ich habe die Stadtrundfahrt so konzipiert, dass wir allen Sperrungen entgehen konnten.

Aber wie das nunmal so in meinem Beruf ist, richtet sich nicht immer alles nach dem Plan. Der Bus parkte an den Landungsbrücken, weil wir eine Barkassenfahrt machten. Danach sollte es dann weiter mit der Stadtrundfahrt Teil 2 gehen. Der Kunde wollte zudem ganz spontan am Nachmittag entgegen dem Programm ins Miniaturmuseum gehen. Das war eine Herausforderung, denn es ist schwierig, an einem Wochenende noch am gleichen Tag Karten dafür zu bekommen. Außerdem wollte mein Kunde im Vorfeld kein Museum in seinem 3-Tages-Programm haben, obwohl ich unter anderem dieses Museum empfohlen habe. Zu langweilig, hieß es. Die Leute wollen was machen. Und nun einmal doch.

Also verhandelte ich mit der Tourist-Info an den Landungsbrücken, zählte im Bus die Leute, die dann doch noch spontan zur Miniatureisenbahn wollten und bekam so 20 Tickets. Die ganze Aktion kostete eine knappe Stunde an Zeit. Und was passierte? Als wir wieder mit dem Bus los fuhren, wurden gerade die Sperren errichtet, sodass wir schon ein wenig Umwege fahren mussten.

Nun stand das Mittagessen an, was im Old Commercial Room quasi bereit war. Kurz bevor wir von der Willy-Brandt-Straße in die Ludwig-Erhard-Straße fahren wollten, wurde dort vor unseren Augen die Sperre inform von Lübecker Hütchen und einem Polizeiwagen errichtet, sodass wir hinter einem anderen Reisebus halten mussten. Meine Kollegin, die den Bus vor uns begleitete, sprach bereits mit einer jungen Polizistin. Kurz darauf konnte der Bus vor uns die Sperre passieren.

Dann fuhren wir an die Sperre heran und ich sagte dem sehr jungen polizeiuniformierten Mädel, dass wir im Old Commercial Room reserviert haben und bat darum, durchgelassen zu werden. Diese entgegnete, die Straße sei gesperrt. Ich fragte, warum denn der Bus vor uns durchfahren durfte. Die Anwort der jungen Polizistin: “Die haben gefragt”. Ich entgegnete: “Auch ich habe gefragt.” “Aaach – Sie fragen erst jetzt”, kam es altklug zurück. Ich musste mich schon sehr stark zurückhalten, um nicht zu fragen, ob sie noch die Einschläge spürt – immerhin trug sie eine Uniform der Polizei und hatte die Macht, die sie noch mehr ausspielen konnte, was sie sichtlich genoss. Wollte sie, dass ich auf die Knie falle? Ich denke ja. Ich schaute ihr daher fest in die Augen und erwiderte: “Auf solche Spielchen habe ich keine Lust. Dürfen wir nun durch oder nicht?” Die Polizistin errötete und schluckte erkennbar. Aha, ertappt. Da keine Antwort kam, hakte ich nach: “Nein?” Nach einem tiefen Einatmen kam dann ein festes “Nein”. Ich: “OK” – und dirigierte den Bus um, ohne mich weiter um die Frau in Uniform zu kümmern.

Wir kamen insgesamt eine gute Stunde später als avisiert im Restaurant an, was glücklicherweise kein Problem war.

Ich bin nach wie vor ein Fan der Polizei. Angst habe ich nur vor Grünschnäbeln, die die Stiefel geküsst haben wollen. Was soll das? Entweder, ich lasse alle Reisebusse durch oder gar keinen. Aber einen Bus mit hahnebüschen Argumenten abzulehnen finde ich schlicht und ergreifend ätzend, um noch höflich zu bleiben.

Meine meist älteren Gäste waren der festen Meinung, dass wir abgewiesen wurden, weil der Bus aus Österreich kam. Danke, liebe Polizistin! Ich hoffe, Sie lernen noch, denn damit haben Sie Deutschland einen Bärendienst erwiesen. Es kostete mich viel Mühe, meine Gäste davon zu überzeugen, dass das nicht der Fall war. Einige wenige ließen sich dennoch nicht von ihrer Meinung abbringen, dass die deutsche Polizistin etwas gegen Österreicher hat.

Die Polizei eben – dein Freund? Und Helfer?