Orkan am Tag des Donnergottes

Diesen Donnerstag brauste der Orkan Ulli über Deutschland. Sprachgeschichtlich ist das Wort Orkan entstanden aus dem färöischen bzw. altnordischen orka für „Arbeit, Vermögen“. Der starke Sturm “Orkan” (dänisch orkan, englisch hurricane) heißt auf Färöisch ódn. Färöisch orkan steht ursprünglich für „die Stärke, Kraft, Energie“ – und die hatte der Orkan ja auf jeden Fall! Der Name Donnerstag stammt wiederum ab vom Thorsdag oder Donarsdag – der Tag des Thor. Die Phonetik und Schreibweise zeigt, wie stark die Mythologie in unseren Breiten auch in unserer Sprache verwurzelt ist.

Thor – der Donnergott

Thor war der Gott des Krieges und Schleuderer der Blitze. Er beschützte die Menschen von Midgard mit seinem Hammer Mjöllnir vor den Riesen aus Jötunnheim. Er ist Sohn des Gottes Odin und der Erdgöttin Jörd. Zusammen mit Jarnsaxe – der Tochter Aegirs – hatte er die Söhne Magni und Modi (Kraft und Mut). Der Sage nach starb Thor beim Ragnarök durch den giftigen Atem der Riesenschlange Midgardsomr, die er zuvor erlegt hatte. Um Thor ranken sich viele Sagen, da er als Beschützer der Menschen häufig gegen Riesen kämpfte.

Der Donnerstag

Der Donnerstag war für die Germanen ein ganz besonderer, ein heiliger Tag. Er diente der Anbetung ihrer Gottheiten – vor allem der des Donnergottes Thor / Donar bei den seefahrenden Wikingern. Zu Zeiten der Christianisierung der germanischen Völker floss diese besondere Andachtshaltung ein, es war eines von vielen Überbleibseln der heidnischen Kultur und war daher auch nützlich für die neuen, die christlichen Würdenträger.

Vermutlich geht dieses Brauchtum zurück bis ins frühe Mittelalter. Die christlichen Missionare lagen in harter Konkurrenz mit den heidnischen Priestern, und deshalb gaben sie am Donnerstag – dem skandinavischen Thorsdag – eine besondere Weihe und verlegten auch neue christliche Feste auf diesen Wochentag.

Seemanns- oder Schiffssonntag

Diese Tradition findet sich auch heute im seemännischen Brauchtum wieder: an Donnerstagen gibt es traditionsgemäß ein besseres und schmackhafteres Essen als an anderen Tagen, somit wird er mit dem sogenannten “Vollen Schlag” gewürdigt, den es sonst nur am Sonntag gibt. Dafür ist der Samstag für Seeleute oft ein Fastentag, da der Smutje diesen Tag nutzt, um seinen Kühlraum zu säubern. Von den Resten wird dann Eintopf  gekocht. Die Festtagsverpflegung am Donnerstag ist markant für die traditionsbedingte Denk- und Handlungsweise der Seeleute.