Archiv für den Monat: Februar 2012

Hamburger Börse

Hamburger Börse um 1890

Die Hamburger Börse wurde 1558 gegründet und war damals die erste Börse Deutschlands und Nordeuropas. Heute spielt die Börse ein eher untergeordnete Rolle, sie hat dennoch eine interessante und bewegte Geschichte.

Hamburger Kaufleute geben den Anstoß

Bis ins 16. Jahrhundert hinein trafen sich die Hamburger Kaufleute am alten Alsterhafen, um Geschäfte abzuschließen oder Informationen auszutauschen. Im Jahre 1517 erhielten die Kaufleute vom Rat das Recht, einen Vorstand zu wählen. Die Vereinigung des “Gemeenen Kopmanns”, später “Eines Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg” ist die Interessenvertretung der Kaufleute. Diese initiierten später die Einrichtung einer Börse. Vor allem die im Seehandel aktiven Kaufleute wünschen sich einen festen Handelsplatz, der als Treffpunkt einheimischer und fremder Kaufleute dienen kann. Als Vorbild diente ihnen die Antwerpener Börse, die 1531 gegründet wurde. 1558 stellt der Hamburger Rat auf Drängen der Hamburger Kaufleute einen 400 Quadratmeter großen Börsenplatz an der Trostbrücke zur Verfügung. Diese Fläche wurde schon 1266 “Platz der Geldwechsel” genannt und lag gegenüber des damaligen Rathauses.

Waren- und Wertpapierhandel

Zunächst wurde auf dem Börsenplatz mit allem gehandelt. Vor allem mit Waren, wie englischen Stoffen, aber auch mit Versicherungen und erste Wertpapieren. Erst später erhielten Wertpapiere eine größere Bedeutung. Im 17. Jahrhundert tauchen die ersten Makler auf, die unter den Kaufleuten vermitteln. In derselben Zeit findet die neu gegründete Commerz-Deputation – aus der später die Handelskammer Hamburg hervorgeht – ihr Domizil direkt neben dem Börsenplatz. Auch der Handel nimmt zu, und um den Warenverkehr zu vereinfachen werden “Usancen” – einheitliche Geschäftsbedingungen – beschlossen, die unter anderem die Menge und Qualität der Waren bestimmen. Der Handel von Waren nimmt ab, der Wertpapierhandel nimmt zu. 1720 wird der Aktienhandel vom Senat verboten, da er das “Aktienfieber” nicht gut hiess.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist der Wertpapierhandel stark im Aufwind. Waren es im 18. Jahrhundert noch um die 600 Handelsteilnehmer, so verfünffachte sich diese Zahl zu Anfang des 19 Jahrhunderts. Das 1841 neu bezogene Börsengebäude platze aus allen Nähten und musste mehrfach erweitert werden. Die Franzosenzeit und der Große Brand bescherte der Hamburger Börse erste Wirtschaftskrisen, nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges musste sie für 6 Wochen geschlossen bleiben, um Panikverkäufe zu vermeiden, dennoch brach der Handel danach ein.

Die Börse in Kriegszeiten

Es folgten unruhige Zeiten: 1927 der Kurssturz an der Berliner Börse und 1931 die Weltwirtschaftskrise, welche letztlich vorerst zur Schließung der Märkte führte. Zur Zeit des Nationalsozialismus verliert die Börse ihre Selbstständigkeit. Auch das Gebäude leidet unter dem Krieg: Im Bombenhagel 1941 brennt der mittlere Börsensaal aus. Auch der westliche Börsensaal wird später weitgehend zerstört. Erst 1951 wird der Handel mit Aktien und Wertpapieren im Mittelsaal wieder aufgenommen. Nach einem Aufschwung in der Zeit des Wirtschaftswunders nimmt der Parketthandel aufgrund des technischen Fortschritts immer mehr ab, das einst so hektische Treiben auf dem Börsenparkett wird immer ruhiger. Im Mai 1968 wird die erste “Kursmelde- und Übertragungsanlage” eingeweiht, der elektronische Weg ersetzt nach und nach den Präsenzhandel, der an der Hamburger Börse 2006 komplett eingestellt wird.

Seit 1999 arbeitet die Hamburger Börse mit der Börse Hannover unter einer gemeinsamen Trägerschaft, der BÖAG Börsen AG, zusammen.

Quellen:
wikipedia.org
ndr.de

Bildquelle:
Library of Congress

 

 

Das Mahl des Heiligen Matthias

Das Goldene Buch der Stadt Hamburg

Heute Abend findet in Hamburg das Matthiae-Mahl statt, das älteste noch begangene Festmahl weltweit. Der Name bezieht sich auf das Datum, an dem das Festmahl traditonellerweise stattfindet: der 24. Februar ist der Matthias-Tag und galt im Mittelalter als Frühlingsbeginn und Auftakt des Geschäftsjahres. In Hamburg erhielten die Senatoren ihre neuen Aufgaben und wählten den Ersten Bürgermeister. So entwickelte es sich zu einem Brauch, “Vertreter der Hamburg freundlich gesonnenen Mächte” am Matthias-Tag zu einem Festmahl einzuladen. Seit mehr als 650 Jahren – genau genommen seit 1356 – wird das Matthiae-Mahl in Hamburg gefeiert. Es darf nur stattfinden, wenn die “Zeitläufe” es erlauben. Nach 1724 wurde es für 200 Jahre ausgesetzt, die Gründe für die Pause sind nicht bekannt.

Messer statt Finger

Im 14. Jahrhundert war es üblich, mit den Fingern zu essen. Zur Feier des Tages wurden zum Matthiae-Mahl für die hohen Gäste ein Messer eingedeckt. Dies galt als Ausdruck besonderer Ehre. Heutzutage sind die Tafeln feierlich dekoriert mit Tafelaufsätzen, Vasen und Schalen aus dem Silberschatz der Stadt Hamburg. Besonders prunkvoll ist ein Geschenk König Edwards VII. von England: ein Pokal, der den Ehrentisch ziert – an dem auch der Erste Bürgermeister der Stadt sitzt.

Strenger Ablauf

Der Erste Bürgermeister empfängt die Ehrengäste immer im Rathaus, auf dem oberen Absatz der Senatstreppe. Als man noch zu Pferde anreiste, geriet der Bürgermeister nicht in die Verlegenheit, seinen Gästen aus dem Steigbügel helfen zu müssen. Der strenge Ablauf des Matthiae-Mahls ist in seinen wesentlichen Punkten seit einem halben Jahrtausend unverändert: nach der Begrüßung werden die Ehrengäste zunächst zu einem Gespräch in das Bürgermeisteramtszimmer eingeladen, dann erfolgt der Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Hamburg, und erst danach beginnt das eigentliche Mahl im Großen Festsaal. Zum ersten historisch belegten Matthiae-Mahl im Jahr 1356 waren 40 Gäste eingeladen. Heute sind es rund ca. 400 Gäste, unter anderem das gesamte Konsularische Korps sowie Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft. Des Weiteren werden Repräsentanten der großen Religionsgemeinschaften, internationaler Organisationen und der Bundeswehr eingeladen.

Festsaal des Hamburger Rathauses

Festliche Speisen

Das Mahl wurde früher von den Köchen des Ratskellers zubereitet. Heutzutage können sich Hamburger Gastronomen und Köche um die Ausrichtung des Festmahls bewerben. Das Menü ist bis zur Ausrichtung des Festmahls ein Geheimnis. Auch auf die Vorlieben und Geschmäcker der Ehrengäste wird Rücksicht genommen, und es gibt zudem eine vegetarische Menüvariante. Das war natürlich nicht immer so, in früheren Zeiten waren die Gänge sehr fleischreich. Die Menüfolge aus dem Jahre 1715 sah unter anderem folgendermaßen aus: “ein ganzes gebratenes Reh garniert mit Rebhühnern, Wildschweinrücken garniert mit Krammetsvögeln, Fasanen garniert mit Finken…“ Abgerundet wurde das Menü mit einem Dessert aus Mandeln, Feigen, Rosinen und verschiedenen Kuchen.

Musikalische Untermalung

Musikalisch untermalt wird das Matthiae-Mahl seit vielen Jahren durch das Kammerorchester der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Dieses wird auf der Empore im Großen Festsaal positioniert, was eine Besonderheit darstellt, das sie nur noch an diesem Abend zu ihrem urspünglichen Zweck genutzt wird. Georg Philipp Telemann komponierte 1724 sogar eine Tafelmusik für das Matthiae-Mahl.

Die Welt zu Gast in Hamburg

Viele Prominente aus der ganzen Welt folgen der Einladung zum Matthiae-Mahl. Dazu zählen Staatspräsidenten, Regierungschefs und gekrönter Adel. Am häufigsten war Helmut Schmidt Gast des Matthiae-Mahls, er war in den Jahren 1976 bis 1982 vier Mal Ehrengast. Auch seine Nachfolger, Helmut Kohl, Gerhard Schröder und Angela Merkel, nahmen die Einladung gerne an. Doch auch andere Prominenz fand zu Matthiae schon den Weg in die Hansestadt: im Frühjahr 2003 empfing Bürgermeister Ole von Beust Königin Silvia von Schweden und Tennisstar Steffi Graf. Im Jahr 2006 waren Kronprinz Frederik von Dänemark und seine Frau Mary Ehrengäste.

Das Matthiae-Mahl in 2012

In diesem Jahr sind die Ehrengäste EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Jürgen Fitschen, Vorstand der Deutschen Bank. Barroso weilt bereits seit gestern Abend in der Hansestadt. Er übernachtete mit seiner Entourage im Gästehaus des Senats. Heute Mittag besucht er die Baustelle der Elbphilharmonie mit der Kultursenatorin Barbara Kisseler. Nach einem Besuch der Bucerius Law School wird er gemeinsam mit Bürgermeister Olaf Scholz zu Mittag essen.

Heute Abend geht’s dann zum Matthiae-Mahl. Nach ihrer Ankunft und Begrüßung im Rathaus ziehen sich die Ehrengäste zu einem Gespräch ins Bürgermeisteramtszimmer zurück. Danach tragen sie sich in das Goldene Buch der Stadt ein. Die Ehrengäste und der Bürgermeister werden dann vor und zwischen den vier Gängen Reden halten. Das Hotel Hyatt Hamburg wird in diesem Jahr die noch streng geheimen Speisen kredenzen.

Quellen:
hamburg.de
wikipedia.org
abendblatt.de

Bildnachweis:
alle Bilder © Renate Brokelmann

Alstereisvergnügen 2012

Das Alstereisvergnügen 2012
Vergangenes Wochenende fand zum ersten Mal seit 15 Jahren ein Alstereisvergnügen statt.

Das Alstereisvergnügen hat eine langjährige Tradition: seit rund 300 Jahren gibt es dieses Winterfest auf der Alster, und in dieser Zeit hat das Alstereis so einiges gesehen: 1687 fuhr ein Eisschiff – ein Segelschiff auf Kufen – über die Alster, auf welchem man bei Speisen und Getränken feierte. 1733 gab es sogar ein Karussell auf der Alster, welches mit Hilfe von Pferden betrieben wurde. Auch sonst nutzten die Hamburger die zugefrorenen Flächen für den Zeitvertreib: so spielte man Eisboßeln, eine Art Zielwerfen mit schweren Kugeln. Natürlich fuhr man auch damals schon mit Schlittschuhen auf dem Eis.

1862 veranstaltete der Ruderclub Germania in seiner Winterpause einen Eistanz mit maskierten Schlittschuhläufern unter bengalischem Feuer. In den Jahrhundertwintern 1829 und 1929 war die Alster mehr als 3 Monate zugefroren, was zu einem enormen Ansturm führte. In dieser Zeit wurde die notwendige Dicke von über 20 cm für die Freigabe der Alster festgelegt.

In der Nachkriegszeit musste eine Fahrrinne für Kohletransporter freigehalten werden, daher konnten keine keine größeren Winterfeste auf der Alster stattfinden. Jedoch nutzte ein Sportflugzeug die zugefrorene Alster für eine erfolgreiche Notlandung. Erst viele Jahre später, 1979, fand wieder ein Alstereisvergnügen statt. In den 80er Jahren fuhr man nicht nur Schlittschuh, sondern surfte auch auf dem Eis. Das Eissurfen ist heute verboten.

1996 konnten die Buden auf der Alster an drei Wochenenden öffnen. Im darauffolgenden Winter kamen rund eine Million Menschen auf die Alster. Aufgrund einer Tauwetterlage und einer zu geringen Eisdicke musste die Alster jedoch geräumt werden.

2010 gab es wieder eine sehr dicke Eisschicht auf der Alster, sie wurde trotzdem nicht für ein größeres Fest freigegeben, da es viele Lufteinschlüsse im Eis gab. Am letzten Januar-Wochenende in 2010 kamen rund 80.000 Menschen und feierten ohne Buden auf der Alster ein kleines Eisvergnügen. Die Stadt genehmigte lediglich auf dem “Festland” – zwischen Kennedybrücke und Barcastraße – an zwei Wochenenden zehn Glühweinstände. Auch in 2012 durften aus Sicherheitsgründen keine Buden auf das Eis gestellt werden.

Bild: © Renate Brokelmann

Biikebrennen

Biikebrånen

Jeder kennt die Osterfeuer, die auf dem alten Brauch basieren, den Winter zu vertreiben und dem Wetter “einzuheizen”. In Norddeutschland gibt es eine zudem eine eigene Art des Frühlingsfeuers: das Biikebrennen am 21. Februar. Im Binnenland ist es auch als Beekenbrennen bekannt, der Feiertag wird auch Piddersdai, Peterstag oder St. Peterstag genannt. Diese Namensgebung stammt vermutlich vom Petermännchen ab, einer Strohpuppe, die manchmal im Feuer verbrannt wurden. Dies wiederum ist wahrscheinlich ein Überbleibsel aus einer Zeit, in der die Heiden sich vehement gegen die Christianisierung wehrten und als Symbol für den Papst das Petermännchen verbrannten.

Auf den norddeutschen Inseln wurden mit dem Biikefeuer später auch Walfänger verabschiedet. Entlang der Küste zündeten die zurückgebliebenen Frauen Feuer an, um ihren fahrenden Männern lange sicheres Geleit zu geben. In einem Beschluss der Hanse aus dem Jahre 1403 durfte mit dem Walfang erst am 22. Februar begonnen werden, somit stellt dieser Tag ein wichtiges Datum für die Schifffahrt im Mittelalter da.

Doch zurück zum Ritual: die Strohpuppe symbolisiert aber auch den Winter, der früher immer eine besonders schwere Zeit war. Auf Sylt wird anstelle einer Puppe eine Tonne verbrannt. Das Feuer symbolisiert aber auch Fruchtbarkeit, Heilung von Krankheiten und die Vertreibung des Bösen. Nachdem die Biike niedergebrannt ist, springen frisch Verliebte über die Glut und festigen so ihre Liebe.

Bildquelle: jelles @flickr.com

Die Sierichstrasse

Sierichstrasse

Stadthäuser in der Sierichstraße

Adolph Sierich– nach dem die Sierichstraße benannt ist –  war gelernter Goldschmied und ein Hamburger Großgrundbesitzer, der sich den heutigen Stadtteil Winterhude mit der Familie Gertig teilte.

Sein Vater, der Goldschmied Johann Friedrich Bernhard Sierich, kaufte 1838 einen der Winterhuder Hufnerhöfe. Adolph Sierich erschloss sich das Gebiet durch Kanäle und Straßen, und teilte es so in Grundstücke auf, die er gewinnbringend verkaufte. Zudem forstete er das Gelände des damaligen Butenkamps (heute der bewaldete Teil des Stadtparks) auf und schuf sich damit sein eigenes Jagdrevier, das Sierichsche Gehölz. 1885 errichtete er ein Forsthaus, welches heute noch steht und seit 2000 denkmalgeschützt ist.

Früher war nach ihm auch die Adolphstraße auf der Uhlenhorst benannt, die aber 1986 in Herbert-Weichmann-Straße umbenannt wurde.

Folgende Straßen benannte Sierich nach Familienangehörigen und Freunden:

  • Adolphstraße (heutige Herbert-Weichmann-Straße), nach sich selbst
  • Andreasstraße, nach dem Oberingenieur Andreas Meyer
  • Agnesstraße, nach seiner Schwägerin
  • Dorotheenstraße, nach seiner Mutter
  • Klärchenstraße, nach seiner zweiten Frau
  • Maria-Louisen-Straße, nach seiner ersten Frau
  • Sierichstraße, nach der Familie
  • Wentzelstraße, nach seinem Testamentsvollstrecker Adolph Emil Wentzel
  • Willistraße, nach seinem ältesten Sohn

Quelle: hamburgwiki
Bildnachweis: flickr.com/lindspetrol