Archiv für den Monat: März 2012

Klütenlied – das Klößelied für den Smutje

Back ick Klüten, seggt he,
wie bekannt, seggt he,
spee ick erst, seggt he,
in de Hand, seggt he.
Dreih se denn, seggt he,
kugelrund, seggt he,
smecken good, seggt he,
sünd gesund, seggt he.

Es ist Freitag!

Göttin Freya auf ihrem Gespann, gezogen von großen Katzen

Der Freitag ist bekanntermaßen der fünfte Wochentag im deutschen Kalender gemäß DIN 1355 – ja, dafür gibt’s eine Deutsche Industrie Norm. Nach christlicher bzw. jüdischer Zählung ist der Freitag der 6. Tag der Woche.

Doch woher stammt eigentlich der Name Freitag? Aufmerksame Leser dieses Blogs ahnen es schon: es hat wieder was mit Göttern zu tun. :-) Der Freitag ist genauso wie der Donnerstag einer Gottheit gewidmet, der germanischen Göttin Freya, Gemahlin von Wotan. Sie war Göttin der Fruchtbarkeit, des Frühlings, des Glücks und der Liebe, sowie Lehrerin des Zaubers. Sie wurde zur Namensgeberin für den deutschen Freitag und den britischen “Friday”. Unsere romanischen Nachbarn haben sich für die Namensgebung Freyas Pendant, der Göttin Venus, bedient: so heisst es zum Beispiel im Französischen “Vendredi”. Freitag der 13. gilt in unserem Kulturkreis als Unglückstag, vermutlich weil die Kombination aus dem Wochentag, an dem Jesus Christus starb, und der 13  - dem “Dutzend des Teufels” – als Unglückszahl als besonders Unheil bringend galt. Dieser Aberglaube entstammt christlicher Tradition.

Ich wünsche allen Lesern einen schönen, frühlingshaften Freitag!

Bildquelle: coldantlerfarm.blogspot.de

 

Die reitenden Helden

Ein kleines Gedicht zum Wochenstart:

Die reitenden Helden vom festen Land
Haben gar viel zu bedeuten;
Doch stünd es ganz in meiner Hand,
Ein Meerpferd möcht ich reiten.

— Johann Wolfgang von Goethe

Die Ballade vom Labskaus

Jedes Jahr – und zwar bis heute -
essen seebefliss’ne Leute
auf die hergebrachte Weise
eine sonderbare Speise!
Selbst die feinen Damen fragen,
wenn sie so am Rollmops nagen,
warum dieses Fleischgemüse
ausgerechnet “Labskaus” hieße! –

Nun, vor Zeiten einmal gab’s
einen Käpten namens “Labs”,
der – wie damals vorgekommen -
seine Frau hat mitgenommen
auf die meisten seiner Reisen -
denn er liebte gut zu speisen ! -
Schon am Sonntag sprach er: “Kleines,
koch mir heute ganz was Feines !”
Und es sagte gleich Frau Labs:
“Pass mal auf, ich glaub, ich hab’s”.

Aus dem Pökelfass geschwind
nahm sie Fleisch von Schwein und Rind,
und vom Eingelegten glatt
Hering, Gurke, Lorbeerblatt,
Zwiebel und auch Rote Rübe,
auf das das Ganze rötlich bliebe,
schliesslich aus dem großen Sack
eine Menge Schiffszwieback,
wässert, kocht und dreht die Menge
durch des Wolfes Loch Gezwänge
und serviert den ganzen Paps
aufgekocht dann ihrem Labs.

Einmal zu besonderer Güte
fand Frau Labs noch eine Tüte
Böckling statt der Matjesfische,
die sie ins Gemenge mischte,
und verschönt’s mit Spiegelei
und ‘nem Rollmops auch dabei
und ein klarer Schluck daneben
macht die Sache glatt und eben,
doch damit er gut verdau’s,
sprach sie: “Lieber LABS nun KAU’S!”

Ach, Frau Labs ist längst vergangen,
doch die Kapitäne hangen
seit der Zeit an dem Gerichte,
das ich hier für euch bedichte,
und sie denken allerwärts:
- Guter Labskaus – gutes Herz !

Quelle: Unbekannt

Von Hexen & Zauberern: Mette Harden

Hexenszene (um 1700)

Im Jahre 1612 im Laufe eines Prozesses gegen den aus Kirchwerder stammenden Angeklagten Joachim Witte, der von seinem Landvogt des Diebstahls und der Zauberei beschuldigt worden war, gestand dieser unter Folter, Viehverzauberungen begangen zu haben und beschuldigte seinerseits drei Frauen – darunter auch Mette Harden – ebenfalls der Zauberei. Mette Harden sollte demnach ein Bündel Stroh auf das Land des Landvogtes gelegt haben, welches sie mit einem Schadzauber belegt hatte. Angeblich wollte Mette Harden sich damit an dem Landvogt rächen, weil dieser ihren Sohn verfolgte. Der wiederum hatte zuvor den Bruder des Landvogtes erschlagen. Wilde Zeiten!

Den Frauen wurde der Prozess gemacht, doch auch unter Folter beteuerten diese ihre Unschuld. Da die Frauen gefoltert worden waren, ohne dass vorher andere  Zeugen befragt wurden, entschied das Lübecker Gericht, dass sie frei gelassen werden müssen. Zwischenzeitlich hatte Joachim Witte aber die Landleute so gegen die Frauen aufgewiegelt, dass diese die Frauen am liebsten aus der Region verbannen wollten. Der Amtmann sah sich daher zunächst gezwungen, die Frauen weiterhin gefangen zu halten. Die Obrigkeit wollte sich das von den Landleuten nicht gefallen lassen und bestand darauf, dass die Frauen frei gelassen werden. Bei der Freilassung kam es zu einem Tumult, die Landleute forderten, dass die Frauen wieder inhaftiert und erneut befragt werden sollten. Die Gerichtsobrigkeit setzte sich jedoch durch, ließ die Frauen frei und verhängte Geldstrafen über die aufrührerischen Landleute.

Seit 1995 gibt es im Hamburger Stadtteil Kirchwerder die Mette-Harden-Straße.

Quelle: hamburg.de
Bildquelle: http://de.academic.ru

Der Hamburger Berg

Der Hamburger Berg auf St. Pauli

Hamburger Berg? Wer diese Straße auf St. Pauli schon mal betreten hat, weiss, dass diese alles andere als bergig ist. Der Name hat eine andere Herkunft: der heutige Stadtteil St. Pauli hieß früher “Vorstadt Hamburger Berg”, weil sich hier der Geestabhang wie ein Berg erhob. Der Straßenname erinnert also an die frühere Bezeichnung des Stadtteils. Heute haben sich am Hamburger Berg viele Kneipen und Bars angesiedelt, welche ihn zu einem beliebten Ziel für partyhungrige Hamburger und Touristen macht.

Der Hamburger Berg in der Vergangenheit

Folgende bildhafte Beschreibung des Trubels auf dem Hamburger Berg – dem heutigen St. Pauli –  findet sich in den “Skizzen aus den Hanse-Städten” anno 1836 von Eduard Beurmann:

“Der Hamburger Berg – also wird der Vorstadts-Theil von Hamburg genannt, der diese Stadt von Altona scheidet. Beide Städte bieten sich hier beinahe die Hände. Schifft man über die Elbe zu Hamburg heran, so gewahrt man die Grenzscheide nicht: Hamburg und Altona scheinen eine weitausgedehnte Stadt zu bilden. Die neidische Holstein-Dänische allzunahe Nachbarin muß wider ihren Willen dazu beitragen, den Glanz und das Ansehen der stolzen Handelsstadt, die ihr den Fuß auf den Nacken gesetzt, zu erhöhen. Indeß zu Land sieht man hier die Scheidung, und es macht einen ziemlich seltsamen Eindruck, wenn man, aus dem Altonaer Thore hinauseilend, durch das große wüste Marktgewühl und den Trödel des Hamburger Berges zu der einförmigen Stille in dem nahen Altona gelangt, zu der Kirchhofs-Ruhe hinter dem sturmgepeitschten Meere des Verkehrs zwischen Juden, Matrosen, Gaunern, Seiltänzern, englischen Reitern, Riesen, Wachsfiguren, wilden Bestien, königlich privilegirten Herkulesen, den schmutzigsten Altären des Pandemos, den groben Rippenstößen der Hamburger Plebejer niedrigster Sorte, den Landdraggonern mit gezogenem Säbel, die hier, in dem labyrintischen Gewirre, von der Menschenmenge, wie Lindwurms-Besieger umtoset, die Ordnung zu erhalten, sich bestreben. Der Kehricht des Lebens liegt auf dem Hamburger Berge aufgehäuft; die Menschheit starrt Einem hier mit kothbeworfenem Antlitze entgegen; die Matrosen feiern in den engen, dumpfigen Gassen des Hamburger Berges ihre Bachanalien und attischen Nächte, mehr Vieh, als Menschen, nachdem sie Monate lang auf dem Ocean umher geworfen und nun auf festem Boden angelangt, ihren rohen Begierden freien Lauf lassen. Indeß der Hamburger ist einmal an dieses schmutzige Getreibe gewöhnt, welches dem Fremden einen so großen Ekel und Widerwillen einflößt. Er geht ruhig und berechnend, theilnahmslos über den Hamburger Berg, und die Uhlanen erhalten die Ordnung und hauen mit flachem Säbel auf die Menschenhorde ein, wenn es einmal zu toll wird und hie und da eine Prügelei zum Sturm anschwillt.”

Ganz so wild geht das Partyleben auf St. Pauli bzw. dem Hamburger Berg heutzutage nicht ab, wenn man jedoch mal an einem lauen Sommerabend am Wochenende über den Hamburger Berg geht, so fühlt man sich doch ein Stück weit in den zuvor beschriebenen Trubel versetzt – nur dass es heute eher selten Matrosen sind, die da so wild feiern. ;-)

Textquelle:
Skizzen aus den Hansestädten, S. 162 – 163, von Eduard Beurmann (auf books.google.de)

Bildquelle:
flickr.com/psychohh

Isemarkt: der längste Freiluftmarkt Europas

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Der Isemarkt ist einer der schönsten und beliebtesten Wochenmärkte Hamburgs. Er findet jeden Dienstag und Freitag zwischen 8.30 und 14 Uhr in der Isestraße statt. Er ist zu finden zwischen den U-Bahn Haltestellen Hoheluft und Eppendorfer Baum. Der Isemarkt ist fast einen Kilometer lang und ist damit der längste Freiluftmarkt Europas. Er ist bei Hamburgern und Touristen gleichermaßen beliebt.

Unter der alten Hochbahntrasse finden über 200 Händler Platz, dichtgedrängt bieten sie ihre vielfältigen und hochwertigen Waren an. Es gibt Genüsse für alle Sinne: Nationale und internationale Köstlichkeiten, wohlduftende Gewürze und Seifen, leckere Pralinen und ungewöhnliche Schokoladen, individuelle Chutneys, bunte Blumensträusse, aber auch hochwertige Kleidung von Designern, Schmuck und Modeaccessoires sowie Haushaltswaren finden hier ihre Käufer.

Der Markt lädt jedoch nicht nur zum Einkäufen ein. Angeregte Gespräche mit Händlern und Kunden gehören zum Marktbesuch genauso wie das Naschen vor der Kaufentscheidung. Straßenmusiker sorgen für die musikalische Untermalung. Im Markttrubel aus Kinderwagen, Fahrradfahrern, Laufkundschaft und Händlern kommt selten Hektik auf: (Zwangs-)Pausen kann man an einer der zahlreichen Imbissstände verbringen, bei leckerem Kaffee mit Kuchen, “Pommes Rot-Weiß” oder anderen Köstlichkeiten.
Ein Besuch des Isemarktes lohnt sich also immer, ganz egal, ob man nur flanieren oder seine Wochenmarkteinkaufe tätigen möchte.

Bildquelle: flickr.com/groundsel