Kategorie-Archiv: Hamburger Straßen und Stadtteile

Der Meßberg

Der Meßberg liegt in der Altstadt Hamburgs in der Nähe des Chilehauses, zwischen Willy-Brandt-Straße und Klingberg. Doch woher stammt der Name des Meßbergs? Wurde dort etwas ge- oder vermessen, oder fanden dort christliche Messen statt? Weit gefehlt: noch bis ins 16. Jahrhundert hiess der Meßberg noch Misthaufen. An diesem Platz wurden damals tierische Abfälle gelagert, und man kann sich vorstellen, wie übel es dort roch.

Das Bild zeigt den Meßberg zu einem späteren Zeitpunkt, als er als Obst- und Gemüsemarkt diente. In der Mitte des Platzes steht ein Brunnen, der 1878 errichtet wurde. Er steht seit 1975 am Hopfenmarkt in der Nähe der Nicolai Kirche und heisst Vierländerin-Brunnen. Er erinnert an die Vierlande bzw. die Vierländer, die im 19. Jahrhundert Hauptlieferanten für Hamburgs Märkte waren.

Bildquelle:
pellethepoet, Flickr

Das Schulterblatt

Der Name Schulterblatt geht auf ein Gasthaus zurück, welches das Schulterblatt eines Wals als “Aushängeschild” benutzte. In diesem Gasthaus verkehrten nämlich hauptsächlich Walfänger – die durch ein solches Prunkstück natürlich angezogen wurden. Ab etwa 1700 hiess die Straße daher im Volksmund “Beim Schulterblatt”. Das Gasthaus selbst wird 1717 im Altonaer Grundbuch erwähnt. Auf einer Stadtkarte zum Grenzvergleich zwischen Hamburg und Altona aus dem Jahre 1745 heisst die Straße “Bey dem Schulter Blat”. Offiziell heisst das Schulterblatt seit 1841 so.

Als “der” Schulterblatt wurde das Schulterblatt bis in die Nachkriegszeit bezeichnet. Dies ist eine aus dem Missingsch  übernommene grammatikalische Ungenauigkeit, die heutzutage weitestgehend verschwunden ist.

Das Gasthausschild kann im Museum für Hamburgische Geschichte bewundert werden.

Bildnachweis: © Michail Jungierek

Die Elbinsel Wilhelmsburg

An der Bunthäuser Spitze teilt sich die Elbe in Norder- und Süderelbe und schließt die Elbinsel Wilhelmsburg ein. Sie ist die größte bewohnte Flussinsel Europas mit 57.000 Einwohnern. Die größte bewohnte Flussinsel der Welt ist Manhatten, die zu New York gehört.

Was man noch über Wilhelmsburg wissen sollte ist, dass die Elbinsel 1962 zum großen Teil überflutet wurde. Die große Sturmflut in Hamburg forderte 330 Todesopfer, weil der Stadtteil unterhalb des Meeresspiegels liegt und die Deiche noch nicht so hoch waren. Zudem war der 2. Weltkrieg gerade mal 17 Jahre her und es gab Wohnungen, die eher als Behelfsbauten zu bezeichnen waren als stabile, sichere Behausungen.

Aber woher hat dieser Stadtteil Hamburg’s seinen Namen?

Am 4. September 1672 erwarb Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg-Celle drei große Elbinseln, die darauf hin eingedeicht und durch Verbindungsdeiche vereint worden sind. Sie trugen fortan den Namen Wilhelmsburg. Die längste und eine der wichtigsten Straßen Wilhelmsburgs erinnert heute noch als Georg-Wilhelm-Straße an den Gründer.

Georg Wilhelm wurde als zweiter Sohn des Herzogs Georg von Braunschweig und Lüneburg-Calenberg geboren. Er studierte in Utrecht und unternahm ausgedehnte Reisen, bis er nach dem Tode seines älteren Bruders Christian Ludwig von 1648 bis 1665 das Fürstentum Calenberg mit der Residenz in Hannover regierte, wo mit seinem Vater Georg 1636 die Familie der Welfen die Herrschaft angetreten hatte.

Ob der Herzog Georg Wilhelm von Celle, nachdem er die Insel erworben und nach sich benannt hatte, auch einmal nach Wilhelmsburg gekommen ist, lässt sich nicht mehr feststellen. Seine Gemahlin Eleonore d’Olbreuse (eine schöne Hugenottin von niederem Adel) und ihre einzige gemeinsame Tochter Sophie Dorothea (die spätere Prinzessin von Ahlden) haben sich hier aber einmal drei Tage lang geweilt, wie aus erhaltenen Geldregistern, in denen die Ausgaben dafür aufgezeichnet sind, hervorgeht.

Da sich Sophie Dorothea später (gegen ihren Willen) mit ihrem Cousin Georg Ludwig, dem Kurprinzen von Hannover und späterem König von England Georg I. verheiratete, wurden ihre Nachkommen Prinzen und deshalb nicht Grafen von Wilhelmsburg.

Nach dem Tode Georg Wilhelms fiel die Insel an das Haus Hannover und wurde infolgedessen in ein Amt verwandelt. Das Amt bestand bis 1859. Dann wurde es mit Harburg vereinigt und gehört seit der letzten Gebietsreform im März 2008 zu Hamburg-Mitte.

Die Straßen Cremon und Grimm

Beide Straßen liegen in der Altstadt, sind erstmals Mitte des 13. Jahrhunderts erwähnt und gehören zu den ältesten der Stadt.

Die Marschinsel Cremon wurde 1188 eingedeicht und den Siedlern als Weide zugewiesen. Bereits kurze Zeit später wurde die Insel besiedelt. Richtung Hafen am Nikolaifleet wurden die Häuser erbaut. Hinter den Häusern wurde ein Entwässerungsgraben, das spätere Katharinenfleet, gegraben. Die jenseits des Katharinenfleets gelegenen Grundstücke dienten zunächst weiter als Weide und wurden erst später bebaut. Im Mittelalter wurde dann außendeichs direkt am Nikolaifleet gebaut.

Die Marschinsel Grimm wurde bald nach dem Cremon besiedelt. Die Besiedlung erfolgte ähnlich wie beim Cremon, jedoch ohne rückwärtiges Entwässerungsfleet. Auf dem Grimm liegt das Kirchspiel St. Katharinen, die nach der Besiedlung von Cremon und Grimm zur geistlichen Versorgung der Bevölkerung beider Inseln gegründet worden war. Die Gemeinde bestand zu dieser Zeit aus Bierbrauern und Schiffsbauern, später, zur Zeit der Schauenburger Grafen und zur Reformationszeit aus Tuchmachern und wohlhabenden Kaufleuten.

Die Herkunft der Benennung Cremon ist vielfaltig, aber am wahrscheinlichsten geht der Name auf einen Grundbesitzer dieses Namens zurück, denn Mitte des 13. Jahrhunderts ist bereits ein Gottschalk de Cremun und Anfang des 14. Jahrhunderts ein Kaplan Bertram de  Cremon genannt.

Beim Namen Grimm ist die Herkunft ebenso umstritten. So könnte es sich um aufgeschwemmten Schlamm handeln, auf dem eine Straße gebaut wurde, oder um eine hier vorbeifließende Krümmung der Alster, oder um wildes, unwirtschaftliches, unsicheres Land (immerhin lagen die Marschinseln bis zum 13. Jahrhundert außerhalb der Stadtumwallung und daher außerhalb des Mauerrings), oder vielleicht ist es auch nur ein ehemaliger Flurname, der namensgebend war.

Der Gänsemarkt

Der Gänsemarkt ist ein dreieckiger, öffentlicher Platz in der Hamburger Neustadt, der Anfang des 17. Jahrhunderts durch die Erweiterung der Stadtbefestigung entstand.

Beim Gänsemarkt handelt es sich nicht um einen Platz, auf dem Gänse gehandelt wurden. Allerdings wurden von hier aus Gänse durch das Dammtor auf die Alsterwiesen getrieben. Der Name geht vielmehr zurück auf einen Mann namens Ambrosius Gosen, der dort lebte und Grundbesitz hatte.

Auch ein Markt im üblichen Sinne hat am Gänsemarkt nicht stattgefunden. Marktrechte haben hier noch nie bestanden. Die Silbe Markt deutet vielmehr auf ein bestimmtes Grenzgebiet, eine “Gemark” bzw. “Gemarkung” hin.

Seinen jetzigen Namen erhielt der Platz erst im Laufe des 17. Jahrhunderts. Zuvor hieß er “Beim Isern Hinnerk” oder auch “Camp hinterm Blauen Turm”. Mit beiden Namen war der alte Festungsturm am Ende des Jungfernstiegs im Nordwesten gemeint, der 1727 abgebrochen wurde.

Anmerkungen:

“Isern Hinnerk” bedeutet eiserner Hinnerk. Hinnerk ist eine Form des althochdeutschen Vornamens Heinrich. Dieser wiederum setzt sich aus heim für Haus oder Hof und rihihi für mächtig oder Fürst zusammen und bedeutet also Hausherr, der Herr im Haus. Die weibliche Entsprechung ist Henrike oder Henriette.

Das Wort “Camp” kommt vom lateinischen campus und bedeutet soviel wie Fläche, Feld, Ebene. Seit dem Mittelalter war es ein Modewort für jedes neugewonnene Stück Land, das oft mit Hecken oder Erdwällen eingefriedet und abwechselnd als Weide oder Acker genutzt wurde.

Die Slamatjenbrücke

Die Slamatjenbrücke befindet sich in Hamburg-Altstadt/Hamburg-Neustadt an der Ludwig-Erhard-Straße und überquert das Alsterfleet und die Willy-Brandt-Straße, sodass man gut zur Hauptkirche St. Nicolai gelangen kann. Es handelt sich um eine kaum beachtete, aber viel benutzte Straßenbücke.

Zur Herkunft des Namens: Slam = Slum und bedeutet so viel wie unsauber. Matjen kommt aus dem Höllandischen und bedeutet Mädchen. Ein Slamatjen ist also ein schmutziges Mädchen, eine Schmutzliese.

Was ist damit gemeint? Es könnte sein, dass dort eine “Filiale” des horizontalen Gewerbes war.

Wahrscheinlicher ist aber, dass mit Schmutzliesen Frauen gemeint waren, die für das Säubern der Wäsche zuständig waren. Somit hat sich im Brückennamen der Treffplatz der Waschfrauen erhalten.

Slamatjen sind nach Reinhold Pabel zudem müßige, plauderhafte Frauenzimmer, allerdings im harmlosen Sinne. Das Brückengeländer enthält wie zum Beweis ein Steinrelief, das zwei Frauen im Gespräch zeigt.

Wer war Struensee?

In der Altstadt von Altona ist eine Straße nach dem in Halle geborenen Johann Friedrich von Struensee (1737 – 1772) benannt, der im Alter von 14 Jahren mit dem Medizinstudium begann und bereits 1757 Stadtphysikus und Armenarzt im damals vom dänischen König regierten Altona wurde.

Ein Stadtphysikus war ein vom Rat der Stadt bestallter Arzt, der neben seiner privaten Praxis auch in etwa die Aufgaben des heutigen Gesundheitsamtes wahr nahm.

In Altona bekämpfte Dr. Struensee erfolgreich die Ausbreitung von Seuchen und setzte sich für die Verbesserung der Hygiene ein.

Im Jahr 1768 begleitete er den jungen dänischen König Christian VII. bei seiner Europareise, gewann dessen Zuneigung und wurde so Leibarzt und Vertrauter des Königs.

Zurück am dänischen Hof ernannte ihn Christian VII. zum Geheimen Kabinettsminister und erhob ihn 1771 in den Grafenstand.

Graf Johann Friedrich von Struensee übernahm nach und nach die Regierungsgeschäfte, weil der König psychisch labil war, und setzte so die Ideen der Aufklärung in Dänemark durch, wie die Meinungs- und Pressefreiheit, Abschaffung der Folter und Reform des Schulwesens. Dadurch stieg er bei Hofe schnell auf und machte sich auch ebenso schnell unbeliebt.

Seine Gegner nutzten Struensee‘s Affäre mit Christian VII’s Gattin, Königin Caroline Mathilde aus, putschten und machten Struensee den Prozess.

Weil sein Pflichtverteidiger Dr. Uldall, der Rechtsbeistand der Königin, wenig überzeugend war, verteidigte Struensee schließlich sich selbst und äußerte sich dabei mit keinem Wort über ein Verhältnis mit der Königin. Dennoch wurde er nach 4 Verhandlungstagen am 25. April 1772 schuldig gesprochen und am 28. April 1772 vor den Toren Kopenhagens geköpft, gevierteilt und auf’s Rad geflochten.

Die Verzögerung von Verurteilung bis Hinrichtung ist dadurch zu erklären, weil sich die Handwerker weigerten, Schafott und Rad für die Hinrichtung herzustellen und nur unter Androhung von Folter und Kerker ans Werk gingen.

Zur Hinrichtung Struensee’s strömten etwa 30.000 Schaulustige.

Königin Caroline Mathilde wurde nach Celle verbannt, wo sie 1775 im Alter von nur 24 Jahren starb.

Die Spitalerstraße in HH – Altstadt

Der Stadtteil St. Georg lag außerhalb der Hamburger Stadtmauern. Dort wurde im 12. Jh. von Graf Adolph III. von Schauenburg und Holstein ein Hospital errichtet, das nach dem Heiligen St. Georg benannt wurde.

Dieses Haus diente als Krankenanstalt für an Lepra Erkrankte, einer ansteckenden Krankheit, die von Kreuzfahrern eingeschleppt wurde. Also wollte man die Leprakranken vor den Toren der Stadt isolieren.

Seit Ende des 13. Jh. bis zum Bau der neuen Befestigungsanlagen um 1620 durch den von Hamburg beauftragten Holländer Johan van Valckenburgh war die Spitalerstraße in der Altstadt der Zugangsweg zum St.-Georg-Hospital, den alle Aussätzigen passieren mussten.

Die Insel Neuwerk

Dieser Stadtteil Hamburg‘s liegt in der Elbmündung vor Cuxhaven und ist über 100 km von der Hamburger Innenstadt entfernt. Es handelt sich um ein rein bäuerliches Gebiet und es ist der Stadtteil mit der geringsten Einwohnerzahl, nämlich ca. 50.

Der Stadtteil Neuwerk gehört zum Bezirk Hamburg-Mitte und besteht neben der Hauptinsel aus den grundsätzlich hochwassersicheren Inseln Scharhörn und Nigehörn. Das ca. 3 qm große Neuwerk wird vom Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer umgeben. Scharhörn ist bis auf einen Vogelwart unbewohnt, liegt auf einer Sandbank und verliert bei Sturmfluten ständig Land, weil die Insel unbefestigt ist. Daher wurde Nigehörn künstlich durch Aufschüttung von Sand geschaffen, um verloren gegangene Brutflächen für Seevögel auszugleichen. Aber auch hier drohen bei Sturmflut Landverluste.

Man nannte die Insel erst “Nova O”. “O” kommt vom Niederdeutschen “oog” und bedeutet von Wasser umgebenes Land, also Insel. Die Insel war ursprünglich unbewohnt und wurde vermutlich von Seeräubern genutzt. Auch Bauern vom Festland sollen im Sommer bei Ebbe ihr Vieh über das Watt zu den Wiesen des Eilands getrieben haben. Die Piraten störten die Hamburger Handelsschiffe erheblich, weil sie falsche Seezeichen legten und so die Schiffe in der gefährlichen Elbmündung immer wieder auf Grund liefen, sodass sie ihren wertvollen Ladungen beraubt werden konnten.

Weil sich das die Hamburger nicht länger bieten lassen wollten, nahmen sie die Insel 1299 in ihren Besitz, wollten darauf ein festes Seezeichen errichten und bewaffnete Truppen stationieren. So kam es 1301 zum Bau des Wehrturmes, der 1310 fertig gestellt wurde und gleichzeitig als Seezeichen und Unterkunft für die Truppen diente. Dieser Turm wurde “Dat Nige Wark” (das Neue Werk) genannt, ein Name, der sich auf die ganze Insel übertrug.

Später, als die Hamburger die Elbmündung so langsam in den Griff bekamen, verlor der Turm seine Wehrfunktion und diente nur noch als Seezeichen.

Heute ist der Wehrturm das älteste Gebäude in Hamburg und zudem der älteste Leuchtturm an Deutschlands Küsten.

Was ist denn bitte ein Schopenstehl?

Tja – wo kommt der Name her? Immerhin ist eine Straße in der Altstadt danach benannt.

Es gibt drei Lesarten, die ich im Folgenden aufzeigen möchte:

Im Mittelalter war Hamburg bekanntlich eine Bierstadt. Also liegt die Vermutung nahe, dass der Name aus dem Braugewerbe kommt. Das mitteldeutsche “Schope” bedeutet Schöpfkelle der Brauer und “Stehl” ist der dazugehörige Stiel. Also könnte die Straße Schopenstehl der Stiel der Kelle sein und der angrenzende Fischmarkt als Kelle gedient haben.

Wem das unvorstellbar scheint, findet die vielleicht passende Erklärung in der Rechtsprechung, denn das Wort “Schöffe” könnte sich von “Schöpen” abgeleitet haben. Das Schöffentum wurde bereits unter Karl dem Großen (Ende 8. Jh.) eingeführt. So könnte Schopenstehl auch Schöffenstuhl bedeuten, denn die Gerichtsbarkeit war auch in der Nähe, nämlich beim Rathaus.

Die dritte Variante bleibt denn auch bei der Rechtsprechung, denn das Wort “Scope” bedeutet soviel wie Pfahl oder Pranger, was in diesem Falle der Schandpfahl wäre, an den die Verurteilten fest gebunden wurden.

Also ich bleibe bei den Bierbrauern – mit dieser Deutung kann ich persönlich am meisten anfangen ;-)