Kategorie-Archiv: Herkunft von Redensarten und (Sprich-)wörtern

Fischmarktlöwen


Vier Fischmarktlöwen (um 1900)

Das allerlei Haus- und Nutztiere auf dem Fischmarkt verkauft wurden, dürfte gemeinhin bekannt sein. Aber gehörten auch Raubkatzen dazu? Nein. Als Fischmarktlöwen bezeichnete man einige Stammgäste, die nichts (oder nicht viel) mit dem König des Tierreichs gemein hatten. Ein Schulbuch aus dem Jahre 1926 erklärte, um wen es sich bei den Fischmarktlöwen handelte: „Es gibt leider manche Männer, die nicht gern und nicht ausdauernd arbeiten mögen. Am Fischmarkt suchen sie einige Groschen für kurze Dienste zu verdienen. Diese dienen aber zur Hauptsache zum Einkauf von Schnaps“.

Früher gab es zahlreiche Gelegenheitsarbeiter, die sonntags auf dem Fischmarkt auf die Vermittlung von kurzfristigen Jobs warteten. Diese nannte man “Löwen” bzw. plattdeutsch “Leuwen”. Wie genau diese Bezeichnung entstand, ist nicht bekannt. Vielleicht nannte man sie so, weil sie den Raubtieren ähnlich auf dem Markt herumschlichen und auf der Jagd nach neuen Jobangeboten waren. Die Jobs waren meist sehr anstrengend, beispielsweise das Verladen von Fischkisten oder die Reinigung von Kesseln in der Hafenindustrie. Ihren verdienten Lohn ließen die Löwen meist auch auf dem Fischmarkt, zum Beispiel gaben sie ihn für den berühmten Eiergrog von Eier-Cohrs aus. Diese Fischmarktleuwen gibt es schon lange nicht mehr.

Quelle Text & Bild: hamburg.de

 

Fleetenkieker

In Hamburg war Fleetenkieker seit dem 16. Jahrhundert die amtliche Bezeichnung für Mitarbeiter der Düpekommission, die für die Schiffbarkeit und Reinhaltung der Fleete sorgten. Durch Schlickbildung sowie durch die Entsorgung privater und gewerblichen Unrats wurde die Boots- und Schifffahrt auf den Fleeten regelmäßig gestört.  Der Begriff Fleetenkieker erfuhr im 18. Jahrhundert einen Bedeutungswandel:  ab da hießen so die Abfallsammler, die während der Ebbe die Fleete nach verwertbaren Dingen absuchten.  Im 20. Jahrhundert verschwanden die Fleetenkieker vollständig aus dem Stadtbild und der Begriff wurde romantisiert, Fleetenkieker wurden als Figuren dargestellt, die mit hohen Watstiefeln durch die trockengefallenen Kanäle stapfen.

Wiederbelebt wurde der Begriff 1994 durch den Verein “de Fleetenkieker”, der die Hamburger Kanäle und Fleete freiwillig regelmäßig von Unrat befreit.

Textquelle: wikipedia.org
Bild: Fleetenkiekerskulptur in Buxtehude

Just another manic Monday


Die Mondgöttin Luna

… so sangen die Bangles in den 80er. Nachdem ich bereits den Donnerstag und den Freitag unter die sprachgeschichtliche Lupe genommen habe, frage ich heute: woher hat der Montag eigentlich seinen Namen? Wie alle sieben Tage der babylonischen Woche wurde auch der Montag nach einer Gottheit – beziehungsweise nach dem Planeten, der diese Gottheit symbolisierte – benannt. Der zweite Wochentag galt als Tag des Mondes bzw. der Mondgöttin Luna (englisch: Monday, französisch: Lundi, italienisch: Lunedi, spanisch: Lunes). In den romanischen Sprachen wird der Bezug zur Luna deutlicher als in der deutschen bzw. englischen Bezeichnung, da diese eine Lehnübersetzung der lateinischen Bezeichnung Dies Lunae „Tag der (Mond-)Göttin Luna“ ist.

Textquelle: wikipedia.org
Bildquelle: Mondgöttin Luna, Gemälde von Sebald Beham anno 1539

Das Franzbrötchen


Ein Franzbrötchen mit Streuseln

Eine typische Hamburger Leckerei ist das Franzbrötchen, dass es mittlerweile in allen möglichen Varianten, beispielsweise so wie auf dem Bild mit Streuseln, aber auch mit Rosinen, Mohn, in Vollkorn oder mit Schokolade gibt. Eins haben sie alle gemeinsam, nämlich den Teig aus Mehl, Hefe, Butter, Zucker und natürlich Zimt.
Doch woher kommt dieses Franzbrötchen? War ein Bäcker namens Franz der Erfinder? Nein, weit gefehlt. Vermutlich ist das Franzbrötchen ein Überbleibsel der französischen Besatzungszeit zu Anfang des 19. Jahrhunderts. Manche vermuten, dass die Hamburger Bäcker versucht hätten, ein Croissant nachzubacken. Dazu hat man ein normales Laib Brot mit Butter gebacken. Abschließend wurde dies dann noch in einer Fettpfanne veredelt. Auf manch’ einer Stadtrundfahrt wird eine Anekdote verbreitet, demzufolge ein Hamburger aus Wut über die französischen Besetzer auf ein Croissant geschlagen und es zum Franzbrötchen platt gemacht hätte. Das ist aber wohl nur Seemannsgarn. Besonders gut schmeckt das Franzbrötchen übrigens, wenn es über Nacht “durchgezogen” ist und dann kurz auf einem Toaster warm gemacht wird :-)

Von der Abschaffung der Feuerprobe

Die Probe des glühenden Eisens

Bis in die Mitte des dreizehnten Jahrhunderts war in Hamburg noch die Feuerprobe erlaubt, ein uraltes, überall verbreitetes Gerichtsmittel, welches der Wahrheitsfindung diente. Wer einer Straftat oder Lüge verdächtigt war, der mußte, um seine Unschuld zu beweisen, unter Anrufung Gottes glühendes Eisen anfassen, auf dasselbige treten oder durch ein loderndes Feuer schreiten. Kam er dann unverletzt davon, so nahm man an, daß Gott selbst die Wahrheit seiner Behauptung durch dies Wunder bewiesen habe, und sprach ihn frei. Es gab bekanntlich auch andere ähnliche Gottesgerichte, zum Beispiel die Wasserprobe und den Zweikampf. Übrigens konnte ein als ehrenhaft bekannter Mann sich schon durch seinen Eid vom Verdacht befreien, nur diejenigen, deren Eid keinen Glauben geschenkt wurde, wurde die gefährliche Feuerprobe zugemutet.

Schon längst waren von den Päpsten die Feuerproben verboten, aber da das Volk nun einmal an deren Untrüglichkeit glaubte, waren sie schwer abzuschaffen. Papst Heinrich III. (um 1216) und Kaiser Friedrich II. (um 1221) erließen Erklärungen dagegen, und schafften sie damit auch an vielen Orten ab. Aber in Hamburg blieben sie trotzdem in Gebrauch, weil manche Dompröbste ihre Beibehaltung für nützlich erachteten.

Im Jahre 1257 aber hatte der Rat zu Hamburg ein Einsehen und schickte einige Gesandte nach Viterbo in Italien an den Papst Alexander IV, und schlugen ihm vor, daß doch endlich die gefährliche Feuerprobe gänzlich abgeschafft würde. Der Papst nahm die Hamburgischen Gesandten freundlich auf, versprach Gewährung, und übergab ihnen ein Schriftstück vom 1. Juni 1257, worin er erklärte, daß er den Rat, die Bürger und das Volk zu Hamburg in allen unterstütze, was nicht gegen die gesunde Vernunft verstosse. Daher erfülle er gerne die Bitte der Hamburger Gesandten und schaffe hiermit die Feuerprobe ab. Kein Mensch sollte fortan gezwungen werden, sich ihr zu unterwerfen, und wer dagegen handele, dem sei der Zorn Gottes und der heiligen Apostel Petri und Pauli sicher.

Damit kehrten die Hamburger Gesandten zurück, und da sich kein Angeklagter freiwillig die Feuerprobe aussetzen wollte, ist sie seitdem in Hamburg nicht mehr vorgekommen.

Textquelle: Otto Beneke, Hamburgische Geschichten und Sagen, Hamburg 1886. Nr. 28
Bildquelle: Ausschnitt aus einer Seite des Rituale in der Stiftsbibliothek Lambach

Wer hat Angst vor’m Sottje?

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Im Hamburger Volksmund war Sottje die scherzhafte Bezeichnung für einen Schornsteinfeger. Im Holsteinischen war die Bezeichnung auch Sottjer oder Suttje. Diese Begriff geht auf das plattdeutsche Wort Sott für “Ruß” zurück, sotten heisst so viel wie rußen oder schwärzen. Diesen Sott zu entfernen war ja die Aufgabe des Schornsteinfegers, und natürlich blieb der Sott auch an dessen Arbeitskleidung, Gesicht und Händen haften, und daher bekam er diesen Spitznamen. Er war ein schwarzer Mann, wie die Arbeiter in besonders schmutztreibenden Berufe genannt wurden. Der Sottje mit Zylinder diente im Alltag sowohl als Glücksbringer als auch als Kinderschreck (“Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?”). Ein Sottbalken ist übrigens ein Rauch- oder Räucherbalken; ein geschwärzter Balken über einer Feuerstelle.

Bildquelle: flickr.com/samuelpeters

Der Heiermann

Zu DM-Zeiten wurde ein Fünf-Mark-Stück in Nord- und Westdeutschland auch mit Heiermann bezeichnet. Woher stammt der Begriff? Es gibt mehrere Herleitungen, die alle irgendwie plausibel klingen.

Heuer

Angeblich soll der Begriff von der “Heuer” der Hamburger Seeleute abstammen, die um 1900 5 Deutsche Mark pro Stunde – also einen Heuermann – erhielten. Daraus wurde später der Heiermann.

In die Heia gehen (schlafen gehen)

Gemäß dieser Erklärung soll der Begriff ebenfalls aus Hamburg stammen, er soll aber nicht von der Heuer abgeleitet sein sondern indirekt von der Dienstleistung, die man in den 1950er Jahren für 5 Mark bekam: in die Heia gehen. Oder anders gesagt: der Preis für eine Prostituierte auf der Reeperbahn betrug zu der Zeit einen Heiermann. Dagegen spricht, dass ein 5-Mark-Stück schon viel früher als Heiermann bezeichnet wurde.

Hebräisch

Eine weitere Herleitung stammt aus dem Hebräischen. Dort steht für die Zahl Fünf der Buchstabe “Hej”, der fünfte Buchstabe im hebräischen Alphabet. Insbesondere aus sprachgeschichtlicher Sicht ist dies die naheliegendste Erklärung.

Quelle Text & Bild:
wikipedia.org

Herein, wenn’s kein Schneider ist!

Wenn es an der Tür klopft, rufen manche Menschen: “Herein, wenn’s kein Schneider ist!” Woher kommt dieser Spruch? Hat er tatsächlich etwas mit dem Schneider zu tun und ging es da irgendwann mal um unbezahlte Gewänder?

Weit gefehlt! Ursprünglich lautete der Spruch “Herein, wenn’s nicht der Schnitter ist.” Ein “Schnitter” war jemand, der Gras oder bei der Ernte Getreide mähte. Im übertragenen Sinne war dies auch ein Name für den Tod – der Sensenmann!

Früher rafften nämlich beispielsweise Seuchen oder Kriege große Bevölkerungsgruppen einfach mal dahin – geradezu wie eine Sense, die großen Mengen Gras auf ein Mal abmäht.

Aus diesem Grund wird der Tod in alten Gemälden häufig als Sensenmann dargestellt. Und es gibt auch ein altes Volkslied, das wie folgt beginnt:

“Es ist ein Schnitter, der heißt Tod,
Hat G’walt vom großen Gott.
Heut wetzt er das Messer,
Es schneidt schon viel besser
… Hüt dich feins Blümelein”.

Der Satz “Herein, wenn’s kein Schneider ist” bedeutet also ursprünglich: “Herein, wenn’s nicht der Tod ist.”

Das Wort Schnitter geriet bedingt durch die Motorisierung in Form von Mähdreschern und Rasenmähern in Vergessenheit, es wurde durch Schneider ersetzt und der alte Satz verlor seinen eigentlichen Sinn.

Alles o.k.?

Woher kommt eigentlich der Ausdruck “O.K.”, wenn man sagen will, dass alles in Ordnung ist?

Friedrich Wilhelm von Steuben war Offizier bei Friedrich dem Großen und nahm 1777 entscheidend am nordamerikanischen Unabhängigkeitskampf gegen England teil. Der amerikanische Präsident George Washington ernannte ihn 1778 zum Generalinspekteur des amerikanischen Heeres und so organisierte von Steuben den Unabhängigkeitskampf.

General von Steuben war der englischen Sprache nicht wirklich mächtig. Daher unterzeichnete er die von ihm genehmigten militärischen Schriftstücke anstatt mit a.c. (all correct) mit o.k., da in von Steuben´s englischer Rechtschreibung nur “oll korrect” existierte.

Nach dem ersten Weltkrieg drang der Ausdruck dann in die deutsche Sprache und nach dem zweiten Weltkrieg wurde er noch bekannter.

Nach General von Steuben ist übrigens auch die jährliche Parade in New York benannt.

Sich etwas durch die Lappen gehen lassen

Wenn man sich etwas durch die Lappen gehen lässt, entwischt einem etwas, etwas wird einem vor der Nase weggeschnappt oder man bekommt etwas schon sicher Geglaubtes doch nicht.

Seit dem Mittelalter war die Jagd viele Jahrhunderte lang nicht nur vornehmes Privileg des Adels, sondern auch die Belustigung der Fürsten. Für so manchen Edelmann war das Arrangieren von vornehmen Jagdgesellschaften nebst den zugehörigen luxuriösen Festen der scheinbar einzige Lebensinhalt, den er sich Unsummen kosten ließ und über den er das Regieren fast gänzlich vergaß.

Damit die Treibjagd auch mit einem Erfolgserlebnis endete und sich möglichst viele der vornehmen Herrschaften mit Trophäen schmücken konnten, ließ man sich so einiges einfallen. So wurden zum Beispiel ab dem 16. Jahrhundert die Fluchtwege der Tiere eingeengt, indem man zwischen den Bäumen Seile spannte und auf diese große bunte Stofflappen hängte. Das gehetzte Wild, das sich von diesen flatternden Fetzen instinktiv fernhielt, ließ sich so von den Treibern direkt vor die fürstlichen Büchsen leiten. Brach ein Tier trotzdem mit dem Mut der Verzweiflung aus, ging es den Jägern wortwörtlich durch die Lappen.