Kategorie-Archiv: Persönlichkeiten

Silbersack

Silbersackstraße oder kurz Silbersack heißt eine von der Reeperbahn abzweigende kurze Straße. Diese war zum Teil schon 1644 bebaut. Namensgeber war ein gewisser Silversack, der hier 1697 ein Stück Land gekauft hatte. Eigentlich müsste der Silbersack also Silversack heissen und hat so gesehen nichts mit dem Edelmetall zu tun.

Die größte Attraktion der etwas unebenen, noch mit dem einst für Hamburg typischen Großpflaster belegten Silbersackstraße war bisher die traditionsreiche Gaststätte „Zum Silbersack“, die seit 1950 in einem eingeschossigen Pavillonbau an der Ecke zur Querstraße existierte. Berühmtheiten wie Hans Albers, Heinz Rühmann und Hildegard Knef gehörten zu den Gästen des Silbersacks. Die Kneipe wurde zum 31. Mai 2012 geschlossen, da die Söhne kurz zuvor im Alter von 88 Jahren verstorbenen Wirtin Erna Thomsen den Betrieb nicht fortsetzen wollen.

Bildquelle: flickr.com/a.meins

Störtebekers Ende

Störtebeker wird bei Helgoland besiegt

Klaus Störtebeker ist ein Edelmann gewesen, bevor er Seeräuber wurde. In seinen jungen Jahren hat er ausschweifend gelebt und in Hamburg mit andern “wilden Gesellen” so lange geschmaust, gezecht und gewürfelt, bis er Hab und Gut verprasst hatte. Da haben ihm die Hamburger sein ritterliches Gewand und die Waffen abgenommen und ihn zur Stadt hinausgewiesen. Da ist er Seeräuber geworden.

Vom Edelmann zum Seeräuber

Das Oberhaupt der Seeräuber war damals Godeke Michels, welcher Störtebekers Kraft prüfte. Der konnte der Erzählung zufolge eine eiserne Kette wie einen Faden zerreißen. Daher hat Godeke Michels ihm gleich ein Schiff gegeben und den Oberbefehl mit ihm geteilt.

Nun wurde er nicht mehr bei seinem adeligen Namen gerufen, sondern hieß nur noch Störtebeker (“stürz’ den Becher”), weil er einen vollen Becher auf einmal hinunterstürzen konnte.

Störtebecker und Michels teilten ihre Beute mit ihren Raubgesellen, man nannte sie Likedeler oder Vitalienbrüder. Sie beraubten die reich beladenen Schiffe der Hamburger Kaufleute. Die Hamburger fingen selbst auch einige Seeräuberschiffe, aber Klaus Störtebeker haben sie lange Zeit nicht erwischt.

Vor Helgoland

Doch die Hamburger bedienten sich einer List: als die Schiffe der Vitalienbrüder bei Helgoland vor Anker lagen und auf neue Beute lauerten, rüsteten sie eine Flotte aus. Das Hauptschiff hieß “Die Bunte Kuh”, Simon von Utrecht, ein junger Seeheld, befehligte das Schiff.

Gegen Abend erreichten die Schiffe Helgoland und gingen – unbemerkt von den Seeräubern – vor Anker. Ein Blankeneser Schiffer, ein alter Bekannter und einst guter Kamerad der Seeräuber, fuhr in seiner Jolle hinüber an das Schiff des Störtebeker. Da er bekannt war, wurde er freundlich empfangen und ihm wurde sogar gestattet, sein Boot am Schiff festzumachen und angesichts der unruhigen See sein Essen auf dem Schiff zuzubereiten. Die Seeräuber schenkten dem Blankeneser keine große Aufmerksamkeit, dies nutzte er, um Blei zu schmelzen und das Steuerruder festzulöten. Unbemerkt entfernte er sich wieder vom Schiff und machte den Hamburgern Meldung.

3 Tage und 3 Nächte

Am nächsten Morgen griffen die Hamburger an, die “Bunte Kuh” fuhr brausend durch die stürmische See und rammte das erste Schiff der Seeräuber so heftig, dass das Vorderteil des Schiffs wegbrach. Der Kampf dauerte drei Tage und drei Nächte, Störtebeker und seine Genossen wehrten sich vehement, doch dann floh ein Teil der Räuber. Die Hamburger erbeuteten Schiffe mit umfangreicher Ladung an Tuch, Wachs und Baumwolle. Simon von Utrecht nahm Klaus Störtebeker und mit ihm noch 71 Seeräuber gefangen.

Langsam fuhren die Schiffe zurück nach Hamburg, wo sie von vielen Schaulustigen begrüsst wurden – viele wollten den gefürchteten Störtebeker sehen. Die gefesselten Räuber wurden durch die Straßen geführt und in den Kerker gebracht. Klaus Störtebeker saß in einem Keller des alten Rathauses, welcher “Störtebekers Loch” genannt wurde.

Hinrichtung

Als ihm das Todesurteil verkündet wurde, wollte er sich beim Senat mit einer goldenen Kette freikaufen, die seiner Beschreibung zufolge so lang war, dass sie um die ganze Stadt reichte. Entrüstet wies der Senat ab, bereits am nächsten Tag wurden alle Seeräuber hingerichtet. Der mündlichen Überlieferung zufolge begab es sich so:

    ... alle wurden auf dem Grasbrook geköpft, wobei so viel Blut
floß, daß es dem Scharfrichter bis an die Knöchel ging. Nach der Hinrichtung
fragte ihn der Senat, wie ihm dabei zu Mute gewesen sei. »O, gestrenge Herren«,
antwortete er, »mir war so wohl dabei, daß ich auch noch den ganzen hochweisen
Senat hätte abtun mögen.« Diese kecke Antwort aber mußte er mit seinem Leben
büßen.

Vergebens durchsuchten die Hamburger die Schiffe Störtebekers nach großen Schätzen. Jedoch fand man nichts, und verkaufte die Schiffe an einen Zimmermann, der sie zerlegen sollte. Als der aber die Säge ansetzte, traf er gleich auf etwas Hartes und bald schimmerte ihm helles Metall entgegen. Er berichtete dem Senat davon und als man nun die Masten untersuchte, war der eine mit purem Gold, der nächste mit Silber und der dritte mit Kupfer angefüllt. Auch die übrigen Balken waren ausgehöhlt. Man belohnte den Zimmermann reichlich und ließ aus dem Gold eine Krone herstellen, welche später auf dem Turm der St.-Katharinen-Kirche gesetzt wurde.

Textquelle: Sagen, Märchen und Lieder der Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg von Karl Müllenhoff, Neuausgabe von Otto Mensing, 1921
Bildquelle: wikipedia.org

Von Hexen & Zauberern: Mette Harden

Hexenszene (um 1700)

Im Jahre 1612 im Laufe eines Prozesses gegen den aus Kirchwerder stammenden Angeklagten Joachim Witte, der von seinem Landvogt des Diebstahls und der Zauberei beschuldigt worden war, gestand dieser unter Folter, Viehverzauberungen begangen zu haben und beschuldigte seinerseits drei Frauen – darunter auch Mette Harden – ebenfalls der Zauberei. Mette Harden sollte demnach ein Bündel Stroh auf das Land des Landvogtes gelegt haben, welches sie mit einem Schadzauber belegt hatte. Angeblich wollte Mette Harden sich damit an dem Landvogt rächen, weil dieser ihren Sohn verfolgte. Der wiederum hatte zuvor den Bruder des Landvogtes erschlagen. Wilde Zeiten!

Den Frauen wurde der Prozess gemacht, doch auch unter Folter beteuerten diese ihre Unschuld. Da die Frauen gefoltert worden waren, ohne dass vorher andere  Zeugen befragt wurden, entschied das Lübecker Gericht, dass sie frei gelassen werden müssen. Zwischenzeitlich hatte Joachim Witte aber die Landleute so gegen die Frauen aufgewiegelt, dass diese die Frauen am liebsten aus der Region verbannen wollten. Der Amtmann sah sich daher zunächst gezwungen, die Frauen weiterhin gefangen zu halten. Die Obrigkeit wollte sich das von den Landleuten nicht gefallen lassen und bestand darauf, dass die Frauen frei gelassen werden. Bei der Freilassung kam es zu einem Tumult, die Landleute forderten, dass die Frauen wieder inhaftiert und erneut befragt werden sollten. Die Gerichtsobrigkeit setzte sich jedoch durch, ließ die Frauen frei und verhängte Geldstrafen über die aufrührerischen Landleute.

Seit 1995 gibt es im Hamburger Stadtteil Kirchwerder die Mette-Harden-Straße.

Quelle: hamburg.de
Bildquelle: http://de.academic.ru

Die Sierichstrasse

Sierichstrasse

Stadthäuser in der Sierichstraße

Adolph Sierich– nach dem die Sierichstraße benannt ist –  war gelernter Goldschmied und ein Hamburger Großgrundbesitzer, der sich den heutigen Stadtteil Winterhude mit der Familie Gertig teilte.

Sein Vater, der Goldschmied Johann Friedrich Bernhard Sierich, kaufte 1838 einen der Winterhuder Hufnerhöfe. Adolph Sierich erschloss sich das Gebiet durch Kanäle und Straßen, und teilte es so in Grundstücke auf, die er gewinnbringend verkaufte. Zudem forstete er das Gelände des damaligen Butenkamps (heute der bewaldete Teil des Stadtparks) auf und schuf sich damit sein eigenes Jagdrevier, das Sierichsche Gehölz. 1885 errichtete er ein Forsthaus, welches heute noch steht und seit 2000 denkmalgeschützt ist.

Früher war nach ihm auch die Adolphstraße auf der Uhlenhorst benannt, die aber 1986 in Herbert-Weichmann-Straße umbenannt wurde.

Folgende Straßen benannte Sierich nach Familienangehörigen und Freunden:

  • Adolphstraße (heutige Herbert-Weichmann-Straße), nach sich selbst
  • Andreasstraße, nach dem Oberingenieur Andreas Meyer
  • Agnesstraße, nach seiner Schwägerin
  • Dorotheenstraße, nach seiner Mutter
  • Klärchenstraße, nach seiner zweiten Frau
  • Maria-Louisen-Straße, nach seiner ersten Frau
  • Sierichstraße, nach der Familie
  • Wentzelstraße, nach seinem Testamentsvollstrecker Adolph Emil Wentzel
  • Willistraße, nach seinem ältesten Sohn

Quelle: hamburgwiki
Bildnachweis: flickr.com/lindspetrol

Werner Otto – eine Unternehmer-Legende

Werner Otto gehörte zu den letzten noch lebenden Wirtschafts-Pionieren der Nachkriegszeit, die mit visionärer Kraft, ausgeprägtem Erfindungsreichtum und großem unternehmerischen Mut die wirtschaftliche, gesellschaftspolitische und soziale Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland mitgeprägt haben.

Werner Otto

Werner Otto, ca. 1927 (2. v. links), Quelle: Privatbesitz der Familie Otto
Am 13. August 1909 in Seelow (Mark Brandenburg) als Sohn eines Kaufmanns geboren, kam nach dem Krieg als Flüchtling mit seiner Familie nach Hamburg. Dort gründete er zunächst eine Schuhfabrik. „Als dann die Zonengrenzen aufgehoben wurden und aus den traditionell in Südwestdeutschland beheimateten Schuhfabriken gut gearbeitete Ware auf den Markt kam, war meine Schuhfabrik ohne Fachleute nicht existenzfähig. Deshalb habe ich sie geschlossen. Mir blieben immerhin 6.000 Mark und die Fabrikhallen“, erinnerte sich Otto.

Eine innovative Idee

Der erste Katalog von “W. Otto” mit selbst eingeklebten Produktfotos, Quelle: Otto Group

Es folgte die Idee, die Ottos Leben veränderte: Warum nicht Schuhe verkaufen, die andere produziert haben? Und zwar im Versandhandel. Mit 6.000 Mark Startkapital und vier Mitarbeitern begann 1949 die beispiellose Erfolgsgeschichte, aus der mit der Otto Group die größte Versandhandelsgruppe der Welt hervorgehen sollte. Grundlage dieser einzigartigen Entwicklung war die konsequente Umsetzung der unternehmerischen Überzeugungen Werner Ottos. Vorrangig waren für ihn immer eine klare innovationsorientierte Unternehmensstrategie, der Aufbau eines leistungsfähigen Managements und die konsequente Multiplikation der eigenen Stärken. So vermied er den Kardinalfehler vieler Gründerunternehmer, sich auf Dauer im Tagesgeschäft für unentbehrlich zu halten und sich in zu viele Details einzumischen. Bereits 1965 übertrug Werner Otto die operative Führung des Unternehmens dem familienfremden Manager Günter Nawrath, dem 1981 sein Sohn Dr. Michael Otto im Vorstandsvorsitz folgte. Damit schuf sich Werner Otto den Freiraum für eine zweite unternehmerische Karriere.

Ab 1965 baute er mit der ECE ein weiteres Erfolgsunternehmen auf – wirtschaftlich und personell völlig unabhängig vom Versandhandelsunternehmen OTTO.

Bereits 1962 wagte Werner Otto den Sprung nach Nordamerika und erschloss in Kanada Industrieparks und Wohngelände. Ab 1973, im Alter von über 60 Jahren, begann er mit dem Aufbau einer US-amerikanischen Immobiliengruppe, der Paramount Group in New York.

Unternehmerischer Erfolg und soziales Engagement

Seinen unternehmerischen Erfolg und seine Gestaltungsmöglichkeiten empfand Werner Otto immer auch als soziale Verpflichtung und gesellschaftspolitische Aufgabe.

Um gezielt und wirkungsvoll helfen und menschliche Not lindern zu können, gründete er 1969 die „Werner Otto Stiftung“. Diese medizinische Stiftung springt insbesondere dort ein, wo der Staat aus finanziellen Gründen nicht oder nicht schnell genug Gelder zur Verfügung stellt. Ein wichtiges Projekt der „Werner Otto Stiftung“ ist das wissenschaftliche Behandlungszentrum für Krebskrankheiten im Kindesalter an der Universitätskinderklinik in Hamburg-Eppendorf, das zahlreichen leukämiekranken Kindern das Leben gerettet hat. Für hervorragende wissenschaftliche Leistungen wird alle zwei Jahre der Preis der „Werner Otto Stiftung“ zur Förderung der medizinischen Forschung an in Hamburg tätige Forscher und Ärzte verliehen.

Angeregt durch einen Bericht des Kinderarztes der Familie über hervorragende Heilungserfolge bei Kindern in den USA gründete Werner Otto 1974 das „Werner Otto Institut“ auf dem Gelände der Stiftung Alsterdorf in Hamburg – die erste und bisher einzige Spezialeinrichtung Norddeutschlands, die sich ausschließlich der Früherkennung und Behandlung entwicklungsgestörter oder behinderter Kinder und Jugendlicher widmet. Seit 1996 gibt es außerdem das „Werner Otto Stipendium zur Förderung des medizinisch-wissenschaftlichen Nachwuchses an der Universität Hamburg“. Im „Werner Otto Haus“ in Berlin lernen hörbehinderte Kinder und Jugendliche nach einer so genannten Cochlear-Implant-Operation wieder hören.

Werner Otto mit Helmut Schmidt, Quelle: Privatbesitz der Familie Otto

Mäzen und Unterstützer

Dem Prinzip gelebter gesellschaftlicher Verantwortung wurde Werner Otto auch auf anderen Gebieten gerecht. Der amerikanischen Harvard-Universität stiftete Otto einen Museumsneubau für die Unterbringung der Kunst deutschsprachiger Expressionisten, die „Werner Otto Hall“.

In seinem Geburtsort Seelow, wo am Kriegsende die letzten schweren Kämpfe tobten, ließ Werner Otto den Kirchturm wieder aufbauen und das Kirchenschiff erneuern. In Potsdam wurde dank Ottos Unterstützung das Belvedere auf dem Pfingstberg restauriert und zu neuem Leben erweckt. Das Konzerthaus Berlin erhielt von ihm eine zusätzliche moderne Bühne. In Hamburg unterstützte Otto die Neugestaltung des Jungfernstiegs.

Anlässlich seines 100. Geburtstags gründete Werner Otto 2009 mit seiner Frau Maren die Werner und Maren Otto Stiftung zur Förderung der Altenhilfe, insbesondere in Berlin und Brandenburg.

Werner Otto im Jahre 2004, Quelle: ECE

Träger des Bundesverdienstkreuzes, Ehrentitel und Ehrenbürger

Für sein unternehmerisches und soziales Engagement erhielt Werner Otto diverse Auszeichnungen und Orden, u. a. das Großkreuz des Bundesverdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, die Ehrendenkmünze in Gold des Hamburger Senats, den Ehrentitel Professor und die Bürgermeister-Stolten-Medaille der Freien und Hansestadt Hamburg, die Ernst-Reuter-Plakette des Berliner Senats sowie den Preis der Konrad-Adenauer-Stiftung für „Soziale Marktwirtschaft“ für sein unternehmerisches Handeln. Werner Otto war Ehrendoktor und Ehrensenator der Universität Hamburg sowie Laureat der „Hall of Fame“ im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn. Anlässlich seines 100. Geburtstags wurde Werner Otto 2009 die Ehrenbürgerwürde Berlins verliehen.

Werner Ottos Handeln bleibt Vorbild und Herausforderung zugleich. Seine Wertmaßstäbe werden in den von ihm gegründeten Unternehmen weitergetragen.

Der Hamburger Kaufmann und Unternehmer Prof. Dr. h.c. Werner Otto ist am 21.12.2011 im Alter von 102 Jahren im Kreise seiner Familie in Berlin gestorben.

Quelle: www.werner-otto.info